Siegermärchen 2026

Preisgekrönte Märchen in der Alterskategorie 7 – 9 Jahre

von Julia Maria Schlothauer (Klasse 3a der Magnus-Hoffmann-Schule in Kirchmöser), ausgezeichnet mit einem Hauptpreis

Lara war ein fröhliches Mädchen mit braunen Locken und einer großen Portion Neugier im Herzen. Am liebsten reiste sie mit ihrer Familie in den Urlaub. Dieses Mal sollte es etwas ganz Besonderes werden: ein Ausflug ans Meer! Schon Wochen vorher hatte Lara jeden Tag die Muschelsammlung aus dem Schrank geholt und von Wellen, Sandburgen und Eiscreme geträumt. Am Abend vor der Abfahrt stand Laras Lieblingskoffer mitten im Wohnzimmer. Er war knallblau, hatte gelbe Sterne darauf und ein Rad, das immer ein bisschen quietschte. Lara packte sorgfältig ihre Sachen ein: Kleider, Kuschelsocken, ihr Stoffkaninchen Hoppel und natürlich ihr Tagebuch.

Doch kaum hatte sie den Koffer geschlossen, machte es plötzlich „Pling! Ploing! Paff!“ Der Koffer wackelte.

„Mamaaa?“, rief Lara. „Der Koffer... der lebt!“

Der Deckel sprang auf und wieder zu, Socken flogen durch die Luft und Hoppel hüpfte von allein auf das Sofa. Papa starrte den Koffer an und kratzte sich am Kopf. „Also das... ist neu“, sagte er. In diesem Moment erschien aus dem Koffer eine kleine Rauchwolke — grünlich, kitzelig riechend und glitzernd. Und mitten aus dem Rauch ertönte eine schrille Stimme: „Hahaha! Der Koffer ist jetzt mein!“ Auf dem Koffer saß plötzlich eine Hexe mit krummer Nase, wilden Haaren und einem viel zu großen Hut.

„Ich bin Hexe Gundula, die Koffer-Verhexerin!“

Lara schluckte. „Warum hast du meinen Koffer verhext?“

Gundula grinste schief. „Weil ich keine Ferien mag! Alle fahren weg, nur ich sitze im Wald und esse kalten Spinatbrei! Also habe ich euren Urlaub verzaubert!“

Der Koffer begann zu tanzen. Er hüpfte im Kreis, sang schief und spuckte Badehosen aus, die sich sofort in Schlangen verwandelten — allerdings nur in Gummischlangen, die laut „Quiek!“ machten.

Mama blieb erstaunlich ruhig. „Gut“, sagte sie. „Dann brauchen wir einen Plan.“

Die Familie setzte sich an den Küchentisch. Lara holte Papier und Stifte.

Plan gegen Hexe Gundula stand oben auf dem Blatt. „Hexen mögen keine Freundlichkeit“, sagte Papa. „Oder keine Witze“, meinte Lara. „Oder keine Ordnung“, sagte Mama und schaute auf den Koffer, der gerade Marmeladenbrote jonglierte. Da kam Lara eine Idee. „Was, wenn wir alles gleichzeitig machen?“

Gesagt, getan. Papa erzählte die schlechtesten Witze der Welt. Mama begann, den Koffer blitzblank zu putzen und Ordnung zu machen. Und Lara setzte sich vor Gundula und sagte freundlich: „Wenn du willst, kannst du mit uns Urlaub machen.“

Gundula stutzte. „Mitkommen? Ans Meer? Mit Eiscreme?“ In diesem Moment verlor der Zauber seine Kraft. Der Koffer hörte auf zu tanzen, die Schlangen wurden wieder Badehosen und Gundulas Hut rutschte ihr über die Augen.

„Ich... ich wollte doch nur nicht allein sein“, murmelte sie.

Lara lächelte. „Dann fahr doch mit. Aber ohne Hexerei.“ Gundula nickte

Pling! Der Fluch war gebrochen. Am nächsten Morgen fuhr die Familie los — mit einem ganz normalen Koffer. Und irgendwo auf der Rückbank saß eine Hexe mit Sonnenhut und Schleckeis, die laut lachte. Und Lara wusste: Manchmal ist Freundlichkeit der stärkste Zauber von allen.

von der Klasse 4b der Grundschule „Am Dachsberg“ in Premnitz, ausgezeichnet mit einem Sonderpreis

Es war einmal in einem fernen Land, da stand ein altes Hexenhaus mitten in einem großen Sumpf. Nebel lag über dem feuchten Grund. Das Haus war auf Pfählen gebaut und fast vollständig von allerlei Pflanzen überwuchert. Stille und Einsamkeit umgab den Sumpf. Nur der ferne Zauberwald, der am Horizont zu sehen war, versprach so etwas wie Leben. In dem Haus lebte eine alte Hexe mit ihrer bösartigen Katze. Es war, wie fast immer, dunkel im Raum. Kerzen brachten nur schummriges Licht und ein übler Duft lag in der Luft, der auch von den vielen Kräutern nicht überdeckt werden konnte, die von der Decke hingen. An den Wänden standen allerlei Regale mit dicken Büchern. Mitten im Raum, auf einem großen Tisch, lag ein kleiner Käfig und in ihm war eine Raupe. Die Raupe war nicht sehr schön anzusehen. Sie war grün und hatte am ganzen Körper kleine Härchen, die fast wie ein dünnes Fell aussahen. Die Hexe war unterwegs, um Kräuter zu sammeln und so vertrieb sich die Katze ihre Zeit mit der Mäusejagd. Sie hatte eine kleine graue Maus entdeckt, die sie unaufhörlich um den Tisch jagte. Es war eine wilde Jagd. Unter Stühlen und Schränken hindurch, über den Wäschekorb und mitten hindurch durch die Äpfel und Kartoffeln, die lose in einer Ecke lagen. Die Katze wurde immer zorniger und als sie einmal die Kurve nicht bekam, schlug sie gegen das Tischbein und der kleine Käfig mitsamt der Raupe fiel herunter und landete mit einem lauten Rums direkt auf dem Kopf der Katze. Reglos blieb die Katze liegen und die Maus verschwand in einem Mauseloch. Langsam und sich vorsichtig umschauend, kroch die kleine Raupe aus ihrem Gefängnis. Beim Aufprall war die Käfigtür aufgesprungen und die Raupe war nun frei. Doch wohin sollte sie gehen? „Hier!“, hörte sie ein hohes Stimmchen rufen. „Hierher!“ Ungläubig sah sie sich um. Da! An der hinteren Wand stand die kleine Maus und winkte zu ihr herüber. „Komm hierher!“ Die Raupe kroch, so schnell sie konnte, in Richtung Mauseloch. Dort angekommen, empfing sie eine ganze Mäusefamilie und feierte sie wie eine Heldin. „Du hast mein Kind gerettet!“, sagte die Mäusemama, „hab vielen Dank!“

„Ich habe dein Kind gerettet?“ Die Raupe war sprachlos. „Ja! Du hast die Katze erschlagen, als dein Käfig auf sie fiel! Ich will dir helfen. Was kann ich für dich tun, als Dank für deine Heldentat?“

Die Raupe überlegte, aber ihr wollte beim besten Willen nichts einfallen. „Ich weiß nichts“, sagte sie leise. „Bringen wir sie zu Opa.“, entschied das Mäusekind. Opa war die klügste und weiseste Maus weit und breit. Sein Fell war grau und hatte schon viele weiße Flecken. Auf der kleinen Mäusenase trug er eine winzige Brille. „So, so. Du bist also die kleine Heldin, die meine Enkelin gerettet hat. Ich danke dir.“, sprach der Opa und sah die kleine Raupe gütig an. Als die Raupe nichts erwiderte, fragte er: „Wann hast du vor, zum Zauberwald zu gehen?“

„Warum sollte ich zum Zauberwald wollen?“, fragte die Raupe. Noch nie in ihrem Leben hatte sie von diesem Zauberwald gehört.

„Na du willst doch zum Schmetterling werden oder etwa nicht?“, entgegnete der Opa freundlich.

„Schmetterling? Was ist denn ein Schmetterling?“ Ungläubig sah sie der Alte an.

„Schau her.“, sagte er und blätterte in einem dicken Buch. „Schmetterlinge sind wundervolle Wesen. Sie können fliegen und ihre schönen Farben spiegeln sich im Sonnenlicht. Die Raupe hatte noch nie von einem Schmetterling gehört, staunte aber über die wunderschönen Bilder in dem alten Buch. “Du wirst eines Tages ein Schmetterling sein.„, sagte Opa. “Dazu musst du aber den Zauberwald erreichen und die Blätter des großen Baumes fressen."

„Und wie komme ich da hin?“, fragte die Raupe ängstlich.

„Du musst durch den großen Sumpf. Am Horizont kannst du den Wald schon sehen. Aber gib auf die Katze acht! Sie lässt nicht locker und wird dich jagen, so lange sie kann.“

„Also werde ich ein Schmetterling!“, sprach die kleine Raupe, nahm all ihren Mut zusammen und ging nach draußen. Vorsichtig verließ die Raupe das Mauseloch und fand sich auf der großen Terrasse des Hexenhauses wieder. Sie sah sich um, konnte aber nichts sehen, nur ein leises Zischen war zu hören. Also machte sie sich auf den Weg. Nun hatte sie ein Ziel, auch wenn es ein sehr weit entferntes Ziel war. Das Zischen wurde lauter, doch der Grund dafür war der Raupe weiterhin nicht klar. Plötzlich packte sie eine Hand und sie wurde hoch in die Luft gehoben. Immer höher stieg sie auf. Das Zischen war nun ohrenbetäubend. Es war die Hexe, die sie gepackt hatte und nun flog sie hoch über dem Sumpf mit ihr auf dem Hexenbesen. Ängstlich zitterte die kleine Raupe und versuchte sich aus dem festen Griff der Hexe zu befreien. „Halt still!“, hörte sie die Hexe sagen, doch die kleine Raupe wand sich immer stärker und fast wäre es ihr geglückt. „Du sollst stillhalten!“, rief nun die Hexe etwas lauter. „Ich will dir doch nur helfen!“

„Helfen? Mir? Warum?“, fragte die Raupe. „Weil ich dich vor der bösartigen Katze beschützen will, du Dummkopf! Die macht doch was sie will, wenn ich sie nicht im Auge behalte.“

„Also hilfst du mir und bringst mich zum Zauberwald?“, fragte die kleine Raupe.

„Zum Zauberwald? Nein, das kann ich nicht. In den Zauberwald können nur Tiere und alle Tiere, die den Zauberwald betreten, werden sofort von jeder Boshaftigkeit befreit. Dort gibt es nichts Böses und niemand tut einem anderen etwas Schlechtes an. Ich kann dich am Waldrand absetzen. Den Rest musst du allein schaffen.“ Immer noch ungläubig sah die Raupe der Hexe nach, als diese sie abgesetzt und den Rückweg über den Sumpf angetreten hatte.

Da war er nun also, der Zauberwald. Er war riesig. Wie sollte sie nur diesen einen Baum finden, von dem der Mäuseopa gesprochen hatte? Unschlüssig stand sie da und betrachtete den Wald. „Na dann los!“, sprach sie sich selbst Mut zu und kroch in Richtung des Waldes. Und wieder kam das Unheil von oben. Krallen packten sie und hoben sie hoch in die Luft. Ein Rabe hatte sie entdeckt und wollte sie nun offenbar zu seinem Nest bringen, um sie als Snack zu knabbern. Sie wehrte sich mit aller Kraft, konnte sich aber nicht befreien. Auf dem Wipfel eines großen Baumes ließ er die kleine Raupe in sein Nest plumpsen.

„Na, kleine Raupe, was sagst du?“, fragte der Rabe mit krächzender Stimme. „Wie gefällt es dir bei mir? Tolle Aussicht, oder?“

„Ja, tolle Aussicht.“, erwiderte die kleine Raupe ängstlich. „Frisst du mich jetzt?“

„Dich fressen? Nein! Ich bin doch Vegetarier! Hab keine Angst. Ich habe dich dort unten gesehen und merkte, dass du wohl noch nie hier warst. Da dachte ich, ich zeig dir erstmal alles von oben.“ Die Raupe war erleichtert. Wieder hatte ihr jemand geholfen, von dem sie es nicht gedacht hätte. Ihr Leben lang hatte sie nur Böses erlebt und nun half ihr wieder jemand. „Dort!“, rief sie. „Der große Baum!“ Ein riesiger Baum überragte alle anderen Bäume des Waldes. Die Blätter schimmerten goldfarben im Licht der Sonne.

„Das ist der Baum der Schmetterlinge.“, antwortete der Rabe. „Er ist so groß, dass kein Vogel in seine Krone fliegen kann. Ich kann dir leider nicht weiterhelfen, will dich aber wieder zum Waldrand bringen, dass du deinen Weg fortsetzen kannst.“ Vorsichtig setzte der Rabe die kleine Raupe wieder am Waldrand ab und flog zurück zu seinem Nest.

Sie war zwar keinen Schritt weitergekommen, wusste aber nun immerhin wohin sie wollte. So machte sich die kleine Raupe auf den Weg. Sie hatte den Waldrand fast erreicht, da hörte sie hinter sich ein lautes Fauchen. Als sie sich umsah, entdeckte sie die Katze, die mit großen Sprüngen auf sie zu kam. Die Raupe hatte die erste Baumreihe gerade erreicht, da setzte die Katze zu einem gewaltigen Sprung an. Voller Angst rollte sich die Raupe zusammen und wartete auf das Ende. Doch, es passierte nichts! Aus dem Fauchen wurde ein Miauen und als sich die Raupe verwundert umsah, leckte sich die Katze das Fell und sah sie freundlich an. „Kleine Raupe, warum schaust du so ängstlich?“, sprach die Katze und leckte der Raupe mit ihrer langen Zunge über die feinen Haare.

„Ich dachte du willst mich fressen!“, antwortete die kleine Raupe immer noch sehr verängstigt.

„Fressen! Ja! Das will ich! Aber, ich kann nicht …“ „Du kannst nicht?“ „Ich fühle nur noch Liebe.“, sprach die Katze und war offensichtlich genauso verwirrt wie die Raupe. Da fielen der Raupe die Worte der alten Hexe wieder ein: „In den Zauberwald können nur Tiere und alle Tiere, die den Zauberwald betreten, werden sofort von jeder Boshaftigkeit befreit. Dort gibt es nichts Böses und niemand tut einem anderen etwas Schlechtes an.“ Nun war der kleinen Raupe klar, was hier passiert war. Die Katze hatte den Wald betreten und alle Boshaftigkeit war dahin. Nun wurde die Raupe mutiger. „Bringst du mich bitte zum großen Baum mit den goldenen Blättern?“ „Gern.“, antwortete die Katze und setzte sich die Raupe auf den Rücken. „Los geht’s!“ Mit großen Sprüngen ging es vorwärts und schon nach kurzer Zeit erreichten die beiden den großen Baum. Der Aufstieg am riesigen Stamm war mühsam und die Raupe kam nur langsam voran. Doch zum Abend erreichte sie die ersten Zweige und die goldenen Blätter strahlten im Licht der abendlichen Sonne. Der Ausblick über den Wald war großartig. Überall erstrahlten die bunten Blätter und Schmetterlinge flogen zwischen den Ästen. Schmetterlinge! So wunderschön, wie es kein Bild in einem Buch jemals zeigen konnte. So wollte sie auch sein. Vorsichtig knabberte sie an einem Blatt. Ein leichtes Kribbeln überkam sie, dann schlief sie ein.

Am nächsten Morgen wusste sie erst nicht wo sie war. Als sie den Ausblick über den morgendlichen Wald wahrnahm, kam langsam die Erinnerung zurück. Vorsichtig blickte sie an sich herab. Farben! Strahlende Farben! Rot und blau und pink! Wunderschön! Sie schlug mit den Flügeln und augenblicklich erhob sie sich in die Lüfte. Überall erwachten die Schmetterlinge und so fand sich die kleine Raupe, die nun keine Raupe mehr war, in einem riesigen Schwarm von bunten Schmetterlingen wieder. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann fliegt sie dort noch heute …

von Fadile Mircan Sahin (9 Jahre, Grundschule „Am Dachsberg“ in Premnitz), ausgezeichnet mit einem Sonderpreis

Es war einmal in einem fernen Land voller grüner Wiesen, hoher Berge und glitzernder Flüsse, da lebte ein kleiner Drache namens Funki. Er wohnte mit vielen anderen Drachen auf dem Feuerberg. Jeden Morgen übten die Drachen das Feuerspeien. Die Flammen zischten, loderten und erhellten den Himmel. Nur bei Funki war es anders. Wenn er tief Luft holte und pustete, kam aus seinem Mund nur ein winziger Funke -Plopp – und dieser verglühte sofort. Die großen Drachen lachten.

„So ein schwaches Feuer!“, riefen sie. „Du bist viel zu schüchtern für einen Drachen.“, sagte der älteste Drache streng.

Funki schämte sich sehr. Er dachte: „Vielleicht bin ich wirklich kein richtiger Drache.“ Traurig flog er davon und versteckte sich in einer kleinen Höhle am Rand des Waldes. Dort verbrachte er viele Tage allein. Er beobachtete die Tiere, die freundlich miteinander lebten. Die Hasen teilten ihr Futter und die Vögel halfen sich beim Nestbau. Das machte Funki ein wenig Mut.

Eines Abends hörte er plötzlich ein leises Schluchzen. Vor der Höhle stand ein kleines Mädchen namens Lina. Sie hatte sich im Wald verlaufen und fror sehr. „Warum weinst du?“, fragte Funki vorsichtig.

„Mein Dorf ist ganz kalt.“, sagte Lina. „Ein Sturm hat alle Feuer gelöscht und niemand weiß, wie wir uns wärmen sollen.“

Funki überlegte lange. Er hatte große Angst, ausgelacht zu werden. Doch dann erinnerte er sich an die hilfsbereiten Tiere. Also sagte er mutig: „Ich möchte helfen, auch wenn mein Feuer klein ist.“ Gemeinsam flogen sie ins Dorf. Die Menschen staunten nicht schlecht, als ein kleiner Drache landete. Funki schloss die Augen, holte tief Luft und pustete seinen Funken. Erst war er ganz klein, doch dann wurde er heller, wärmer und größer. Bald brannte ein gemütliches Feuer. Die Menschen jubelten. „So ein freundlicher Drache!“, riefen sie.

„Dein Feuer ist etwas ganz Besonderes“, sagte Lina lächelnd. Als Funki zurück zum Feuerberg flog, erzählte er den anderen Drachen alles. Sie hörten aufmerksam zu und schämten sich ein wenig. Von diesem Tag an durfte Funki zeigen, dass nicht die Größe des Feuers zählt, sondern das Herz dahinter. Funki lebte glücklich und wusste endlich: Jeder ist auf seine Art stark.

Und wenn es nicht erloschen ist, dann leuchtet Funkis Herz noch heute.

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von Paulina Mähne (9 Jahre, Friedrich-Ludwig-Jahn Grundschule in Rathenow), ausgezeichnet mit einem Sonderpreis

Es war einmal ein armes Mädchen, das lebte mit seiner Großmutter in einer kleinen Hütte, die direkt am dunklen Wald lag. Eines Tages wachte das Mädchen auf und wunderte sich, weil es so still war. An allen anderen Tagen hörte es immer, wie die Großmutter in der Küche in einem großen Topf den Frühstücksbrei kochte. Es ging schnell in die Küche, aber das Feuer im Herd war nicht an. Also rannte es in das Zimmer ihrer Großmutter. Diese hatte hohes Fieber und konnte nicht aufstehen. Sie bat das Mädchen in den Wald zu gehen und Kräuter für einen Heiltee zu suchen.

Das Mädchen machte sich sofort auf den Weg. Nach einer Weile bemerkte sie, dass der Wald völlig still war und keine Vögel mehr sangen. Plötzlich standen um sie herum überall Wölfe. Sie sprangen das Mädchen an, aber bevor die Wölfe sie erreichten, sah das Mädchen ein blau-silbernes Schimmern. Sie fiel in Ohnmacht und als sie wieder erwachte, war sie in einer zauberhaften Landschaft.

Auf einmal stand vor ihr eine wunderschöne Fee. Sie sagte: ,,Ich bin die Wächterin der weißen Lilie und du bist im Land des ewigen Frühlings.„ Die Fee führte sie zu einer wunderschönen Blumenwiese und sagte: “Hier wachsen magische Blumen, jedoch fehlt die Blume mit der größten Zauberkraft, die weiße Lilie. Die böse Hexe hat sie gestohlen. Könntest du mir einen Gefallen tun und sie wiederholen? Ich habe nämlich keine Macht über sie, da nur ein Mädchen mit reinem Herzen sie besiegen kann." Das Mädchen erklärte sich bereit und lief nach Norden, Süden und Osten, doch das Haus der Hexe konnte sie nicht finden.

Dann endlich im letzten Winkel des Westens sah sie das gruselige, kleine Haus der Hexe. Das Mädchen ging vorsichtig näher heran und schaute durch das Fenster. Dort sah sie die Hexe mit der weißen Lilie. Doch auch die Hexe hatte sie bemerkt. Blitzschnell rannte sie aus dem Haus und packte das Mädchen am Arm und schrie: „Die weiße Lilie bekommst du nie!“ Dann begann sie einen Zauberspruch zu murmeln: „Hexengras, Mäusebein und Zauberflöte, verwandel dich in eine Kröte“.

Doch während sie die Worte sprach, schubste das Mädchen die Hexe, so dass der Zauber in den Spiegel schoss, von dort abprallte und die Hexe traf, die sich sofort in eine Kröte verwandelte. Das Mädchen schnappte sich die Lilie und rannte zurück zu der Fee, die immer noch auf der Blumenwiese auf sie wartete. Sie nahm die Lilie und pflanzte sie zurück zu den anderen Blumen. Sie zupfte jedoch ein Blütenblatt heraus und gab es dem Mädchen: „Hiermit kannst du deine kranke Großmutter heilen.“

Das Mädchen lief nach Hause und kochte sofort einen Tee aus dem Lilienblatt. Ihre Großmutter wurde wieder gesund und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Preisgekrönte Märchen in der Alterskategorie 10 – 12 Jahre

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von Maja Grützmacher (10 Jahre) aus Brandenburg an der Havel, ausgezeichnet mit einem Sonderpreis

 

Es war einmal ein kleiner Zwerg mit einem langen Bart und einer Mütze mit einer großen Bommel dran.

Sein Name war Purzel, weil er oft über seinen Bart stolperte und dann einen Purzelbaum machte. Doch immer, wenn das in der Schule passierte, lachten ihn die Kinder aus und machten Witze. Sie ließen ihn auch nicht mitspielen und wenn er eine gute Zensur bekam, dann nannten sie ihn einen Angeber.

Da wurde Purzel immer ganz traurig. Der kleine Zwerg machte sich Pläne, doch keiner klappte so wie er es sich vorgestellt hatte. Jeden Abend nahm er die große Schere und schnitt seinen Bart ab. Doch wenn er am nächsten Morgen aufwachte, war der Bart wieder so lang wie immer.

Was sollte er machen? Er wollte nicht immer nur zuschauen wie die anderen Kinder lachten und spielten und so beschloss er in den Märchenzauberwald zu gehen.

Doch um dort hinzukommen musste er erst durch einen dunklen, grusligen Wald laufen. Dort wohnte eine Hexe und auch Trolle, die ihn mit allen Mitteln vom Weg abbringen wollten. Sein Herz schlug Purzelbäume vor Angst und klopfte so laut, als würde es donnern. Da nahm er seinen Bart über den Arm und lief so schnell wie er konnte den langen Weg durch den Wald ohne sich umzuschauen, bis er im Zauberwald ankam.

Wow — der Wald war so schön, dass er fast in Ohnmacht fiel. Am Wegesrand standen leuchtende Blumen, die winken und singen konnten. Die Pilze mit den roten Schirmen hatten Türen und Fenster und der See, den es dort gab, glitzerte wie Silber.

Als er weiter ging, sah er, wie Eichhörnchen den ganzen Tag Wasser aus dem See schöpften, um einen großen Baum zu gießen. Das wollte sich Purzel näher ansehen und fragte die Eichhörnchenfamilie: „Warum gießt ihr immerzu den Baum?“

Die Eichhörnchen antworteten ihm: "Ach, weißt Du, es ist unser Baum, in dem wir wohnen, also unser Zuhause. Der Baum gib uns seine Nüsse von denen wir essen.

Wir brauchen sie für den Winter, sonst müssen wir hungern. Doch schau nur, keine Nüsse mehr, er welkt so vor sich hin!"

„Hm ...“, überlegte Purzel, „sie brauchen Hilfe!“ Und während er so nachdachte, streichelte er seinen Bart. Dabei fiel ein Haar heraus und landete auf dem Boden.

Plötzlich lag dort ein Buch um das viele kleine Sterne tanzten. Purzel war ganz erstaunt, dass er mit seinem Bart zaubern konnte. Er hob es auf und gab es den Eichhörnchen. Sie lasen darin was zu tun war, um ihren Baum zu retten.

Er wurde wieder ganz gesund, trug Nüsse und alle waren glücklich. Auch Purzel freute sich und sagte. dass es nur geklappt hatte, weil sie alle zusammengehalten und gemeinsam angepackt hatten. Nun ging Purzel weiter, und wie er noch so über seinen Bart nachdachte, hörte er es Jammern.

„Ach was sollen wir nur machen, der ganze Müll hier. Wir kommen nicht in unseren Bau. Es ist immer wieder das Gleiche.“

Purzel folgte dem Klagen und Jammern.

Dort räumten die Hasen den Müll weg, doch es war so viel, weil der Wind immer neuen Müll heranbrachte. Purzel überlegte nicht lange, nahm ein Barthaar, warf es auf den Boden und es erschien dieses Mal ein Glöckchen. Als die Hasen es läuteten, kamen viele Tiere herbei. Rehe, Waschbären, der Uhu hielt Ausschau nach Müll, die Mäuse, Igel, alle halfen mit. Ja, sogar der Fuchs fegte mit seinem buschigen Schwanz den Weg und alle hatten Spaß dabei. Die Ameisen, die zwischen den Welten umherlaufen, berichteten den Kindern in der Schule' davon.

Die wollten sich das alles nun mal anschauen und beschlossen, den Zwerg zu besuchen. „Was der Zwerg kann, können wir schon lange“, sagten sie und gingen in den Wald hinein. Doch es dauerte nicht lange, als sie vor Angst wieder herausgelaufen kamen, denn sie hatten nicht mit der Hexe und den Trollen gerechnet.

Und als sie dort auf dem Boden so saßen, fingen sie an, den Zwerg für seinen Mut zu bewundern. Als Purzel davon hörte, nahm er eine Blume mit und ging zum Rand des Waldes zu den Kindern.

Sie fassten die Blume an, weil sie so toll leuchtete. Doch sie sah plötzlich aus, als wäre sie verwelkt. Die Kinder erschraken und der Zwerg sagte: „Diese Blume erkennt, wer ein gutes Herz besitzt und dann leuchtet und singt sie auch, und nur der darf auch in den Zauberwald kommen. Kommt in einem Monat wieder und wir werden sehen, ob ihr mich im Zauberwald besuchen könnt.“ Dann ging Purzel wieder zurück.

Die Kinder diskutierten herum auf dem Weg zur Schule. Dort dachten sie aber nach und machten Pläne.

Der Zwerg aber ging weiter in den Zauberwald hinein, um für sich einen Schlafplatz zu suchen. Als er plötzlich eine Hütte sah, traute er seinen Augen nicht, denn die Hütte war richtig toll geschmückt mit den schönsten Blumen des Waldes.

Er war so müde, dass er beschloss zu klopfen. Es machte aber keiner auf und so ging er hinein. Er sah ein Bett und legte sich schlafen. Doch plötzlich kam ein Zwergmädchen hinein. Sie rüttelte und schüttelte ihn und fragte: „Wer bist du?“. Als er aufwachte fragte auch er: „Wer bist du?“ Sie antwortete: „Ich bin Lala. Aber sag wer bist du und was machst Du hier? “Ich bin Purzel und war so müde, dass ich gleich ins Bett ging. Verzeih, aber wollen wir Freunde werden?" "Ja, wir können Freunde sein„, antwortete Lala. Als sie zusammen Abendbrot aßen, kamen die Ameisen und berichteten von den Kindern aus der Schule. “Purzel du wirst es nicht glauben, aber die Kinder haben sich geändert. Sie räumen den Schulhof auf und helfen jetzt den Kindern beim Lernen und den Hausaufgaben. Sie lachen die anderen auch nicht mehr aus." Purzel hat sich so sehr gefreut, dass er gleich einen Purzelbaum machte.

Nun war ein Monat vergangen und Purzel traf sich mit den Kindern am Waldesrand. Als sie die Blume berührten, begann sie zu singen und wunderschön zu leuchten.

Purzel nahm die Kinder mit und sie gingen gemeinsam in den Zauberwald.

Alle bekamen vor Staunen große Augen. Sie sahen, wie schön es hier aussah und wie alle Tiere zusammenlebten und sich halfen.

Nun bereiteten sie ein Fest vor. Alle fassten mit an und hatten Spaß, denn die Glühwürmchen machten Licht, die Hasen brachten Möhren, die Eichhörnchen Nüsse und die Igel Äpfel mit. Die Kinder sammelten inzwischen Holz für ein Lagerfeuer.

Die Blumen bewegten sich hin und her und sangen so wunderschön, dass alle mitsummten. Noch heute feiern alle Bewohner des Zauberwaldes gemeinsam mit den Kindern einmal im Jahr ihr Zauberwaldfest und berichten dabei, was inzwischen alles geschah und von ihren guten Taten.

von Leni Nicole Steinbach, 10 Jahre, Klasse 5a der Meusebach-Grundschule in Geltow, ausgezeichnet mit einem Sonderpreis

Es war einmal vor langer Zeit in einem kleinen Dorf ein junges Mädchen Namens Rudolf. Sie hatte eine Mutter namens Lukas. Sie hießen so, weil sie in einer verfluchten Welt lebten und eine böse Hexe hatte sie verzaubert. Alles was normal war, wurde einfach umgedreht.

An einem schönen Nachmittag ging Rudolf wie gewöhnt frische Fische vom Baum und Äpfel aus dem Fluss holen. Sie stellte sich eine klare normale Welt vor, die nicht so war, wie die böse Hexe sie damals verwandelt hatte. Als sie zu ihrer Mutter kam, legte sie die Fische und die Äpfel auf den Tisch und ging auf ihr Zimmer. Als die Mutter das Essen fertiggekocht und die Äpfel zerschnitten hatte, kam Rudolf, setzte sich und aß da vor sich hin. Schon immer hatte sie sich eine Welt vorgestellt, die einfach und ganz normal war. Sie sagte ihrer Mutter: „Ich möchte diese Welt in eine ganz normale Welt verwandeln.“ Doch ihre Mutter sprach mit böser Stimme: „Nein! Wir dürfen das nicht, das weißt du, sonst verbannt uns die Hexe!“ Ihre Mutter ging. Als Rudolf den Tisch abgedeckt hatte, ging sie in ihr Zimmer, packte ihre Sachen, stieg aus dem Fenster und ging, ohne zu zögern, in den dunklen Wald hinaus.

An einem schönen Montagmorgen wachte sie mitten auf einer Lichtung auf. Sie sah sich um, sie sah nur tiefen Wald. Als sie sich umsah und ein Rascheln hörte, sprang ein kleines Etwas aus dem Gebüsch. Es war ein kleiner Hund. Als sie sich erholt und gegessen hatte, gingen beide los, um das Rätsel zu lösen. Nach einer langen Zeit erreichten sie einen Fluss. Sie guckten sich um und sahen mitten vor ihnen einen Troll. Er hatte einen bösen Blick aufgesetzt und sagte mit rauer Stimme: „Was sucht ihr auf meinem Umkreis!“ Rudolf entschuldigte sich mehrmals und sagte etwas verwirrt: „Es tut uns leid, aber wir wollten nur den Fluss überqueren und etwas trinken.“ Der Troll wurde noch wütender als vorher: „Ihr werdet mein Umfeld verlassen dürfen, wenn ihr meine eine Frage beantwortet!“ Rudolf guckte verwirrt, aber willigte ein.

Er fragte: „Was kann man nicht spielen, nicht sehen, aber hören?!“ Rudolf überlegte zweifelhaft, aber der Troll sagte: „Stopp! Eure Zeit…“ Aber weiter kam er nicht, Rudolf war schneller und antwortete, „die Stimme, man kann sie nicht sehen, aber hören!“ Der Troll war außer sich vor Wut und platzte. Als der Troll platze, entstand über dem Fluss eine Brücke, die sich genau über den Fluss zog. Sie gingen hinüber und tauchten wieder in den Wald ein.

Zuhause bei ihrer Mutter machte sich Ratlosigkeit breit, ihre Eltern machten sich große Sorgen.

Zurück im Wald, war es sehr dunkel und angsteinflößend. Sie hörten merkwürdige Geräusche, sie gingen immer tiefer und es wurde immer dunkler. Als sie in der Mitte des Waldes angekommen waren, sahen sie einen großen Baum, der ragte weit über alle anderen. Oben war ein Baumhaus angebracht und der Baum war leicht bläulich. Sie stiegen den Baum hinauf und dadurch, dass es angefangen hatte zu dämmern, blieben sie eine Nacht.

Sie wussten nicht, dass dort, wo sie übernachteten, der Schlangen-Oberhäuptling dieses Waldes lebte. Als der Oberhäuptling sie sah, lies er sie in einen dunklen Raum abseits des Flusses nieder. Als sie aufwachten, lagen sie am Fluss am anderen Ufer, wo sie vorher waren. Erst jetzt sahen sie, dass am anderen Ende des Ufers ein Haus stand. Sie gingen hinein und gingen an einem dunklen Keller vorbei, hinunter in den tiefen Abgrund und endeten an einem kleinen Teich. Als sie weitergingen, sahen sie einen randvoll gefüllten Kessel. Sie hörten die böse Hexe und ein dunkles Schnarchen, es kam von einem Drachen, der schlief. Sie liefen zurück aus der Höhle, überquerten den Fluss, liefen am Baumhaus vorbei, bis sie am anderen Ende des Waldes angekommen waren.

Dort wartete schon die nächste Aufgabe auf sie: sie sahen einen Wegweiser, der sich in alle Richtungen ausstreckte. Sie probierten ihn in die richtigen Richtungen gerade zu biegen, doch auf einmal sprach eine tiefe Stimme: „Ihr könnt mich nicht umdrehen, dafür müsst ihr drei Mal meinen Namen sagen, aber, ich weiß nicht, wie ich heiße!“ Sie probierten es mit, „hang, hang, hang“ oder mit „hi, hi, hi“, doch nichts schien zu klappen. Plötzlich biss ihr Freund sie einmal kräftig ins Bein und sie rief „au, au, au“. Auf einmal fing es an zu wirbeln und der Wegweiser verwandelte sich in einen wunderschönen Prinzen. Doch es war gar kein Prinz, es war ihr Bruder, den sie vor vielen Jahren verloren hatte. Sie fielen sich um die Arme. Er hieß Louisa.

Doch plötzlich flog die Hexe über die Stelle, wo sie gerade noch gestanden hatten. Der Drache hielt sie fest! Alles verloren, der Hund, das Leben, die Aufgaben. Sie flogen in die Höhle und sie wurden blass im Gesicht, ihre Augen farblos und ihr Blick leblos. Die Hexe hatte sie verzaubert. „Ab sofort“, sagte sie egoistisch, „seid ihr meine Sklaven und ihr werdet auf mich hören!“ Sie antworteten mit trübem Blick: „Ja!“ Sie gingen zurück in die Höhle.

Als nur noch der kleine Hund bei Besinnung war, lief er schnell zurück zum Dorf, wo ihn alle freundlich begrüßten. Er lief zum Haus der Mutter und probierte ihr mit Miauen und kläffen zu sagen, dass die beiden Geschwister in großer Gefahr waren! Als sie endlich verstand, folgte sie dem Hund und als auch sie durch den düsteren Wald gefunden hatte, beim Troll den Fluss überquerte, beim Schlangen-Oberhäuptling vorbeigehuscht war und an der Höhle der bösen Hexe angekommen war, lief sie die steilen Treppen hinunter und durchsuchte die eisigen Schränke der Hexe. Doch sie fand nix, keinen Hinweis auf ihre Kinder. Sie lief erneut die Treppen hinauf und als sie draußen angekommen waren, sahen sie die Hexe, die mit düsterem Blick auf einer etwas erhöhten Plattform stand. Die Kinder, die inzwischen einen leeren und weißen Blick bekommen hatten, wies sie an vorwärts auf ein prall gefülltes Magma-Becken zuzulaufen.

Ihr Hund konnte das nicht länger ertragen, sprang auf die Plattform, biss ihnen einmal kräftig ins Bein, zerrte sie von der Plattform und legte sie flach auf den Boden. Anscheinend war die Sache mit dem Biss überzeugend gewesen. Die Kinder kamen wieder zu Bewusstsein, ihr Blick, der vorher leer und verzweifelt war, war nun wieder mit Farbe gefüllt. Sie schlossen sich in die Arme und wollten gehen, doch auf einmal wurde es um Rudolf rot und sie hielt auf einmal ein Schwert in der Hand, was ihr nicht bekannt war. Doch sie fing an zu kämpfen und kämpfte tapfer weiter, plötzlich sprang sie nach vorne, schubste sie vom Abgrund und der Fluch war gebrochen.

Alles wurde wieder hell, die Fische schwammen wieder im Fluss, die Früchte hingen wieder am Baum und die Namen der Geschwister drehten sich um: Rudolf hieß wieder Louisa und ihr Bruder wieder Rudolf.

Als sie in ihrem Dorf angekommen waren, wurde wegen ihnen ein gigantisches Fest gefeiert und der Prinz machte Louisa einen Heiratsantrag.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute und tanzen durch die Zeit, die sie einst verschwendet hatten.

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von der Klasse H5 der Haupt-und Realschule Birstein, ausgezeichnet mit einem Sonderpreis

In einem kleinen, verschneiten Dorf, tief versteckt zwischen sanften, tannenbewachsenen Hügeln, lebte eine kleine Kerzenmacherin namens Elara.

Elara war bekannt für ihre wundervollen Kerzen, die nicht nur hell brannten, sondern auch einen zarten Duft von Zimt und Tannennadeln verströmten.

Doch dieses Jahr lag ein Schatten über dem Dorf: Der große Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz, dessen Spitze normalerweise von einem magischen, silbernen Stern gekrönt wurde, war kahl. Der Stern war verschwunden, und ohne ihn schien die Weihnachtsstimmung im Dorf einfach nicht aufkommen zu wollen.

Die Kinder lachten weniger, die Musik klang leiser, und selbst der Schnee schien matter.

Elara, deren Herz so warm war wie das Wachs ihrer Kerzen, beschloss, etwas zu unternehmen. Sie wusste, dass der Stern mehr war als nur eine Dekoration; er war das Herzstück des Weihnachtsfestes des Dorfes, ein Geschenk, das vor vielen Generationen von den Sternen selbst gesandt wurde.

An Heiligabend, als die ersten Schneeflocken vom Himmel tanzten, zog Elara ihren dicksten Mantel an, nahm eine ihrer kleinsten, aber hellsten Kerzen und machte sich auf den Weg. Sie wusste nur, dass der Stern in den eisigen Bergen versteckt sein musste, wo der Legende nach die kalten Winde die Geheimnisse des Winters bewachten. Ihr Weg war lang und beschwerlich. Die Kälte kniff in ihre Wangen, und der Wind versuchte, ihre kleine Kerzenflamme auszupusten. Doch Elara hielt die Flamme mit beiden Händen geschützt.

Sie erinnerte sich an die Freude, die der Stern jedes Jahr gebracht hatte, und diese Erinnerung wärmte sie von innen. Tief in den Bergen traf sie auf eine alte, weise Schneeeule mit Augen so klar wie Eis.„Was suchst du, kleine Kerzenmacherin, in dieser kalten Nacht?“, krächzte die Eule leise. „Ich suche den funkelnden Weihnachtsstern“, antwortete Elara. „Ohne ihn ist unser Dorf traurig.“

Die Eule nickte langsam. „Der Stern ist nicht gestohlen, Kind. Er hat sich versteckt, weil die Herzen der Menschen vergessen haben, was ihn zum Leuchten bringt. Er liegt in der Höhle des Echos, aber er ist unsichtbar. Nur etwas Wärmeres als Feuer kann ihn zum Vorschein bringen.“

Elara dankte der Eule und fand die Höhle. Sie war dunkel und kalt. Sie stellte ihre Kerze auf den Boden, aber der Stern blieb unsichtbar. Elara setzte sich auf einen kalten Stein und weinte leise. Sie dachte an ihre Nachbarn: an den alten Müller, der seine letzten Mehlsäcke mit Bedürftigen teilte; an die Kinder, die ihre Spielzeuge den Ärmeren schenkten; an die Tante Lina, die jeden Tag für die Kranken kochte. Da verstand sie. Es war nicht die Hitze des Feuers, sondern die Wärme des Teilens und der Nächstenliebe, die den Stern zum Leuchten bringen musste. Elara nahm ihre Kerze, die noch hell brannte. Sie dachte mit all ihrem Herzen an die Güte und die Opferbereitschaft ihrer Dorfbewohner.

Sie hielt die Kerze hoch und flüsterte die Geschichten von all den selbstlosen Taten, die sie das ganze Jahr über gesehen hatte.

Und dann geschah das Wunder: Ein silberner Schimmer erschien in der Mitte der Höhle. Er wurde heller und heller, bis er die Form des magischen Weihnachtssterns annahm. Seine Oberfläche funkelte, nicht mit dem kalten Licht von Eis, sondern mit dem warmen, goldenen Glanz von tausend guten Taten.

Vorsichtig, aber fest, nahm Elara den Stern in ihre Arme. Er war überraschend leicht. Mit neuer Energie machte sie sich auf den Rückweg. Als sie im Morgengrauen das Dorf erreichte, strömten die Menschen gerade zur Kirche. Alle blickten auf den kahlen Baum.

Elara trat vor, hob den funkelnden Stern in die Höhe und befestigte ihn an der Spitze. In dem Moment, als der Stern den Baum berührte, geschah die zweite Magie: Der ganze Baum erstrahlte in einem warmen, goldenen Licht. Und nicht nur der Baum, sondern auch die Herzen der Menschen. Das Lachen der Kinder hallte über den Platz, die Musik begann fröhlich zu spielen, und die kalten Schneeflocken auf dem Boden schienen in tausend Diamanten zu zerfallen. Von diesem Tag an wusste jeder im Dorf, dass der funkelnde Stern jedes Jahr seine Kraft aus der tiefen, bedingungslosen Güte speiste, die in ihren Herzen lebte.

Und solange sie liebten und teilten, würde ihr Stern immer hell am Himmel leuchten und ihnen den Weg weisen.

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von Henriette Ueck (10 Jahre) aus Potsdam, ausgezeichnet mit einem Sonderpreis

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Jetti und wohnte in Potsdam und hatte einen Hamster.

Die Winterferien hatten begonnen. Jetti packte ihren Rucksack für den Skiurlaub und stellte ihn auf die Erde. Sie wollte noch einen Snack hineintun.

Jettis kleiner schwarzer Hamster Bläcki beobachtete sie ganz traurig aus dem Käfig. Er wollte so gern mitfahren. Deshalb knabberte er so lange an der Gittertür, bis sie aufsprang. Schnell flitzte er zum Rucksack und krabbelte hinein.

Jetti packte ihre Brotdose in den Rucksack und merkte nichts vom Hamster. Die Familie packte das Gepäck ins Auto und auf ging die Fahrt ins Riesengebirge. Endlich kamen sie an und alle packten ihre Sachen aus. Als Jetti ihren Rucksack aufmachte, schauten ihr zwei Knopfaugen entgegen. „Oh nein, wenn Mama und Papa das erfahren, flippen sie aus. Psst Bläcki, sei leise, ich verstecke dich!“ Zum Glück waren Mama und Papa gerade an der Bar. Jetti öffnete die Schublade vom Nachttisch, nahm ihren Schal ab und ihre Mütze und baute dem Hamster ein bequemes Bett.

Am nächsten Morgen brachte sie dem Hamster vom Frühstück Brot und Käse mit. Der Hamster knabberte genüsslich. Aber wo sollte er hin, wenn Jetti zum Skifahren an den Hang ging? Da hatte sie eine Idee. Sie versteckte ihn in ihrer Jackentasche. Der Hamster fand das zuerst sehr gemütlich. Dann wollte er etwas sehen und lunschte heraus. Leider fuhr da Jetti gerade eine Kurve und Bläcki fiel heraus in den kalten tiefen Schnee. Die Skifahrer zischten an ihm vorbei. Er kriegte einen Schreck und lief so schnell er konnte zum Wald. Ihm war so kalt, dass die kleinen Pfötchen ganz doll zitterten.

Im Riesengebirge lebt Rübezahl, der gute Geist der Berge. Er kann zaubern und sieht natürlich alles, was in seinem Reich passiert. Natürlich hatte er sofort den kleinen frierenden Goldhamster entdeckt. Er stapfte durch den Wald und hob den Kleinen hoch aus dem kalten Schnee. Rübezahl steckte den kleinen Bläcki in seinen riesenlangen Bart. Dort war es gemütlich warm. Danach ging es ab in die unterirdische Höhle vom Berggeist. Bläcki war ganz traurig, obwohl ihm jetzt warm war.

Rübezahl fragte: „Was ist denn mit dir los, kleiner Hamster?“ Bläcki sagte: „Ich habe Sehnsucht nach meiner Jetti! Kannst du mich nicht zu ihr zaubern?“ Rübezahl antwortete: „Das geht nur, wenn du mir drei Aufgaben erfüllst!“ „Was soll ich machen, lieber Geist?“

1. Aufgabe: „Knacke mir diese Schale Nüsse, denn ich möchte mir einen Nusskuchen backen!“ Das war sofort erledigt. Kein Problem für superscharfe Hamsterzähne.

2. Aufgabe: „Mein Feuerholz ist zu groß. Kannst du das etwas kleiner nagen?“ Der Hamster machte sich sofort an die Arbeit.

3. Aufgabe: „Bei mir wohnt eine Mäusefamilie. Die machen nachts immer großen Krach. Da kann ich nicht schlafen. Schlüpf doch mal durch das Mausloch und bitte sie, nachts etwas leiser zu sein.“ Bläcki schlüpfte durch das Loch. Die Mäuse hatten gar nicht bemerkt, dass sie zu laut sind und wollten eigentlich gar nicht stören.

Alle Aufgaben erfüllt!

„Kannst du mich jetzt zu Jetti zaubern?“, fragte der Hamster. „Ja, das kann ich.“ Plötzlich war der Hamster verschwunden.

Er saß wieder in seinem Käfig in Potsdam. Inzwischen kam Jetti vom Skifahren. Sie schaute vorsichtig in ihre Jackentasche, aber Bläcki war weg und sie bekam einen Schreck. Da klingelte Mamas Telefon. Lotte rief an. Sie sollte sich um den Hamster kümmern, solange Jetti im Urlaub war.

„Ich wollte Bescheid sagen, dass es deinem Hamster gut geht“, sagte Lotte. „Was? Sitzt er denn in seinem Käfig???“, fragte Jetti erstaunt. „Wo denn sonst?“

Jette war erstaunt, aber auch erleichtert. Hatte sie das alles nur geträumt oder war das ein Märchen?

Und wenn der Hamster nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute.

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Preisgekrönte Märchen in der Alterskategorie 13 – 16 Jahre

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von Sophia Nitsche (15 Jahre) aus Rathenow, ausgezeichnet mit dem Hauptpreis (AK 13-16 Jahre)

Es waren einmal sieben ungezogene, freche Geißlein, die lebten mit ihrer alleinerziehenden Mutter am Waldrand. Am Freitagabend haben sich alle Geißlein im Wohnzimmer versammelt und schauen zusammen ihren Lieblingsfilm. „Also ihr Lieben, morgen ist Samstag und ich habe Dienst im Krankenhaus. Das heißt ihr seid alleine, macht unter keinen Umständen die Tür auf und seid nett zueinander. Keine Zankereien! Nicht das unser lieber Herr Nachbar Schaf wieder wegen Ruhestörung die Polizei ruft. Habt ihr das verstanden?!“, fragt die Mutter streng in die Runde. Zurück kommt nur ein einstimmiges, entnervtes „Jaaa!“

Am nächsten Morgen wuselt Mama Geiß gestresst durchs Haus. Die Geißlein sitzen am Frühstückstisch, da ruft es aus dem Wohnzimmer, ,,Hat jemand meine Tasche gesehen…? Ach, da ist sie ja! Hat sich schon erledigt.„ Mama Geiß kommt mit ihrer Arbeitstasche in die Küche gerauscht. Sie umrundet den Küchentisch und gibt jedem ein Küsschen. “Tschüss Felix, tschüss Fiona, tschüss Franzi, tschüss Fridolin, tschüss Fritz, tschüss Frederike, tschüss …. Wartet, einer fehlt. Wo ist Finn?? „ Auf einmal ist es still, nur aus dem Bad kommen blubbernde, schmatzende Geräusche. Mama Geiß stürmt ins Bad und rutscht beinahe im Seifenmatsch aus, der den ganzen Boden bedeckt. Finn zuckt zusammen und stammelt, ,,Ich kann das erklären… Ich habe ein Seifenexperiment gemacht, nur leider ist es ein wenig aus dem Ruder gelaufen, oder in dem Fall besser gesagt aus dem Waschbecken…“. Mama Geiß schüttelt nur den Kopf und gibt auch Finn schnell einen Kuss, ,,Wenn ich wieder da bin, ist von der Sauerei nichts mehr zu sehen!" Kurze Zeit später fällt die Haustür ins Schloss und der Automotor ertönt.

Sofort springt Felix auf und holt seine Musikbox. Er entscheidet sich für die Songs aus den aktuellen Charts und spielt diese in voller Lautstärke ab. Die restlichen Geißlein singen gut gelaunt mit. Auch aus dem Bad vernimmt man den schiefen Gesang von Finn und dazu das leise Quietschen des Wischmopps. Nach einer Stunde sieht die Küche aus als hätte darin eine dreitägige Party stattgefunden. Überall steht dreckiges Geschirr vom Frühstück, Essensreste liegen auf dem Boden verstreut und auf der Erde prangt ein großer roter Fleck, der von einem umgekippten Glas Tomatensaft stammt. Mama Geiß wird ziemlich sauer sein, wenn sie das sieht. Aber das ist den Geißlein vorerst ziemlich egal.

Nach dem einige Stunden vergangen sind, stiefelt Finn zu einer seiner großen Schwestern, „Ich habe so einen Hunger.“ Fiona dreht sich halbherzig um, meint er solle zu Franzi und Fridolin gehen und wendet sich dann wieder ihrem Handy zu. Also trottet Finn zu den ältesten Geißlein und schildert sein Problem, ,,Ich habe Hunger!" Nachdem feststeht das es nur Erbsensuppe gibt, verzieht Finn angewidert das Gesicht und meint es wäre viel besser etwas zu bestellen. Da alle Geißlein Finns Meinung teilen, plündert Franzi verbotener Weise das geheime Geldversteck. Fünf Minuten später ist der Anruf getätigt und die Bestellung auf dem Weg.

Ein junger Fuchs biegt fröhlich pfeifend in den Waldweg ein, als ihn auf einmal etwas Hartes trifft und er samt Fahrrad die Böschung am Wegrand hinunterfährt. Aus dem Augenwinkel nimmt er etwas Großes, Graues wahr, bevor vor seinen Augen alles schwarz wird. „Ding, Dong“, tönt es durchs Haus von Familie Geiß, und alle rennen gleichzeitig zur Haustür. Franzi, die Älteste, bahnt sich einen Weg durch die Menge hungriger Geißlein und lugt durch den Türspion. Etwas Graues steht vor der Tür. Viel mehr sieht sie nicht. Deshalb ruft sie laut: „Wer ist denn da?“ „Ihre Bestellung“, antwortet eine schnarrende Stimme. „Aber wo ist denn ihr Helm? Sie tragen ja gar keinen …“, fragt Franzi verwundert. „Welcher Helm??“, kommt es sogleich von der anderen Seite der Tür zurück. „Na, ihren Fahrradhelm. Den tragen doch immer alle Boten, die mit dem Rad kommen. Sie wissen schon, das Weiße Ding mit dem gelben Zeichen drauf.“ Auf der anderen Seite herrscht Stille und Franzi kann kein graues Etwas mehr erspähen.

Kurze Zeit später klingelt es erneut. Diesmal schaut Friedolin durch den Türspion. Er kann einen weißen Helm mit einem gelben Symbol darauf erkennen. Doch er stutzt, der Lieferant trägt gar keine gelbe Jacke. „Wo ist denn ihre Jacke??“, fragt er deshalb direkt. „Welche Jacke?!“, fragt die dunkle Stimme hinter der Tür. Der Lieferant schnauft dabei wie eine kleine Dampflock, seltsam. „Na, die gelbe Jacke, die tragen doch alle Lieferanten …“, meint Friedolin jetzt ein wenig genervt. Dieser Lieferant wusste ja wirklich gar nichts! Dann ist es wieder still hinter der Tür. Die Geißlein stehen nach wie vor im Flur und man vernimmt ein allgemeines Magengrummeln. Sie schauen sich an und wissen nicht weiter. Da klingelt es ein drittes Mal und Fiona geht nachschauen. Sie erkennt einen weißen Helm mit einem gelben Symbol und eine gelbe Jacke. Endlich, denkt Fiona und reißt die Tür auf.

Doch statt ihr das Essen in die Hand zu drücken, macht der Bote einen Satz nach vorne und steht plötzlich im Hausflur. Er packt ein Geißlein nach dem anderen. Sie schreien, sie weinen, sie treten und beten, doch es ist zu spät. Alle Geißlein hat er gepackt und in die Box gequetscht, die sich hinten am Fahrrad befindet. Eilig zurrt er den Reißverschluss zu und tritt dann, so schnell er kann, in die Pedale. Kurz danach ist er im Wald verschwunden.

Staub wirbelt auf, als Mama Geiß in die Auffahrt vor dem Haus einbiegt. Gut gelaunt steigt sie aus, bis sie ihren Nachbarn Herrn Schaf entdeckt, der am Gartenzaun lehnt. Na toll! Was haben die Kinder jetzt schon wieder ausgefressen?! Sie ist doch so gut gelaunt gewesen, als sie spontan früher Feierabend machen durfte, und jetzt das. Doch Herr Schaf sieht gar nicht grimmig aus, sondern eher besorgt. Als Mama Geiß näherkommt, bemerkt sie auf einmal die offene Haustür. Sie stürmt hinein und sieht sich um. Es ist still und es herrscht pures Chaos.Dann entdeckt sie den riesigen roten Fleck in der Küche. Oh Gott! Was war hier passiert? Ein Überfall? Eine Entführung? Ein Einbruch? Herr Schaf kommt in die Küche geeilt, „Ich habe einen Lieferboten gesehen. Er ist mit dem Fahrrad in den Wald gefahren. Vielleicht hat er etwas damit zu tun.“ Mama Geiß ist kurz davor ohnmächtig zu werden. Sie schaut kurz zu Herrn Schaf, dieser nickt nur und so rennen beide zum Auto.

Derweil ist der Wolf damit beschäftigt, so schnell wie möglich, mit den Geißlein in der Lieferbox, zu flüchten. Er hat düstere Pläne, die er so schnell wie möglich umsetzen will. Doch auf einmal beginnt das Fahrrad zu schwanken. Aus der Box tönt es, „Links! Jetzt alle nach rechts! Wieder nach links!“ Verdutzt dreht er sich um. Das ist der Moment in dem das Fahrrad endgültig kippt und der Wolf auf die Schnauze fällt. Er jault schmerzvoll auf. Zu dem Schmerzensschrei mischt sich das Geräusch eines Automotors. Mama Geiß und Herr Schaf kommen angebraust. Das Auto legt eine Vollbremsung hin und abermals wirbelt Staub auf. Der Wolf kneift die Augen zusammen, doch er sieht nichts. Seine Augen tränen vom Staub. „Auuuaaa“, gellt es durch den Wald. Mama Geiß trifft den Wolf mit ihrem harten Huf, sodass er sich nicht mehr rühren kann.

Derweil befreit Herr Schaf die Geißlein aus der Box. Alle wirken ziemlich mitgenommen, aber dennoch glücklich. Mama Geiß nimmt alle erleichtert in den Arm, „Meine Lieben, ich bin ja so froh, dass es euch gut geht.“ Auch Herr Schaf schließt sich der Umarmung an. „Mensch, hätten wir es nicht rechtzeitig geschafft, dann hätte ich keine nervigen Nachbarskinder mehr. Was würde ich denn dann machen?? Wahrscheinlich die Latten an meinem Zaun nachzählen.“ Die Geißlein lachen über den Witz. Vom Wolf kommt nur ein Grunzen. Er liegt benommen auf dem Boden.

Und wenn Familie Geiß nicht in noch mehr Abenteuer dieser Art gerät, dann leben sie noch heute.

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von Lina Thies (14 Jahre) aus Brück, ausgezeichnet mit einem Sonderpreis

Es war einmal eine Prinzessin, die jenseits der silbernen Berge lebte. Sie hatte wunderschönes, schwarzes Haar, das im Licht des Mondes strahlend glänzte. Sie hieß Annabell. Fast immer trug sie Kleider, in einem so dunklen Blau, so dunkel wie der Nachthimmel kurz vor dem ersten Stern. Die Menschen sagten, diese Farbe gehöre zu ihr, wie der Winter zum Schnee. Doch Annabell war nicht nur wegen ihres Aussehens außergewöhnlich. Tief in ihrem Herzen waren ihre Eiskräfte versteckt. Wenn sie leicht atmete, fror der Tau auf den Wiesen zu feinen Kristallen. Wenn sie lachte, glitzerte Raureif an den Fenstern des Schlosses. Wenn sie traurig war, legte sich ein stiller Frost über die Seen des Landes. Schon als Kind hatte man ihr beigebracht, ihre Kräfte zu verbergen. „Das Eis ist mächtig“, sagte der König, ihr Vater: „Aber es verlangt Weisheit.“ Also lernte Annabell Geduld. Sie beobachtete lieber, als zu herrschen, und hörte eher zu, als zu sprechen.

Eines Winters jedoch geschah etwas Seltsames. Der Frost kam nicht. Die Berge blieben grau, die Flüsse träge und eine unheimliche Kälte in der Luft – nicht klar und lebendig wie Annabells Eis, sondern leer und schwer. Die Ernte verdarb und die Menschen wurden ängstlich. In der Nacht, als der Nordwind heulte, trat Annabell auf den höchsten Turm des Schlosses. Ihr dunkelblaues Kleid flatterte wie ein Teil der Nacht und ihr schwarzes Haar tanzte im Wind. Sie schloss ihre Augen und spürte, dass etwas das Gleichgewicht der Welt störte. Tief unter der Erde lag das Eisherz des Königreiches – eine uralte Quelle, die den natürlichen Winter nährte – fast erloschen.

Gegen den Willen ihres Vaters machte sich Annabell alleine auf den Weg. Durch verschneite Wälder und über gefrorene Brücken wanderte sie, bis sie eine Höhle aus blauem Kristall erreichte. Dort, im Inneren, fand sie das Eisherz: rissig, schwach, beinahe stumm.

Annabell kniete nieder. Sie wusste, dass sie ihre Kräfte nicht länger zurückhalten durfte. Langsam legte sie ihre Hände auf das kalte Gestein. Ihr Atem wurde zu Nebel, ihr Herzschlag ruhig – und aus ihr floss Eis, nicht hart und zerstörerisch, sondern sanft und klar. Das Blau ihres Kleides begann zu leuchten und feine Schneeflocken fielen wie Sterne vom Himmel der Höhle. Mit einem leisen Klang erwachte das Eisherz. Risse schlossen sich, Licht breitete sich aus und eine reine, lebendige Kälte erfüllte die Welt.

Als Annabell zurückkehrte, lag frischer Schnee auf den Feldern, die Flüsse funkelten und die Menschen jubelten. Doch die Prinzessin war verändert. Sie versteckte ihre Kräfte nicht mehr – sie verstand sie. Von diesem Tag an nannte man sie nicht nur Prinzessin, sondern auch Hüterin des Winters.

In ihren dunkelblauen Kleidern wandelte sie durch das Land, ihr schwarzes Haar wehte im Frostwind und überall, wo sie ging, herrschte Gleichgewicht zwischen Kälte und Leben.

Und wenn heute in klaren Nächten der Schnee leise funkelt, sagen die Menschen: „Die Hüterin des Winters wacht.“

von Mina Teubner (14 Jahre) aus Brandenburg an der Havel, ausgezeichnet mit dem „Sonderpreis für die schönste aller Entführungen“

 

Es war einmal ein Prinz, der brauchte dringend eine Frau. Seine Eltern waren schon längst zu schwach, um Reichsapfel und Zepter zu halten, und wenn er den Thron besteigen wollte, brauchte er eine Prinzessin an seiner Seite.

Doch die Prinzessinnen der umliegenden Königreiche schienen nicht allzu interessiert an ihm zu sein. Das lag vielleicht auch daran, dass Justus — so war sein Name — sich Tag und Nacht in der königlichen Bibliothek einschloss und sich durch hunderte von Märchenbüchern wühlte. Er verschlang sie. Besonders interessierten ihn die Märchen, bei denen ein Prinz am Ende eine Prinzessin heiratete. Er glaubte fest daran, dass sich eine Prinzessin für ihn interessieren würde, wenn er sich so verhalten würde wie die Prinzen in den Märchen. Und wenn er ehrlich mit sich war, wollte er, dass sich eine ganz bestimmte für ihn interessierte: Mariella von Lurchhausen, die Thronfolgerin seines südlichen Nachbarlandes. Nur leider wollte sie ihn von allen Prinzessinnen am wenigsten. Auf Bällen tanzte sie mit allen außer ihm, bei Banketten setzte sie sich so weit wie möglich von ihm weg, und er hatte sogar gehört, dass sie bei Treffen mit ihren Freundinnen über seine Plattfüße gelacht haben soll.

Eines Abends weinte er sich darüber bei seinem besten Freund Raffel aus. Raffel war ein Drache, und da Drachen nicht gerade den besten Ruf im Königreich hatten (es gab da einige Vorfälle), mussten die beiden sich immer heimlich treffen. „Die Prinzessinnen verabscheuen mich und allen voran Mariella“, schluchzte Justus. „Vielleicht könntest du ihr ja Rosen schicken“, schlug Raffel ratlos vor. „Das habe ich schon versucht“, meinte Justus und ließ resigniert die Schultern hängen, „aber schon der Postmann, bei dem ich die Rosen abgegeben habe, hat gelacht und mir erklärt, ich hätte eh keine Chance.“ „Ui. Das ist mies.“ „Weißt du, wie die Prinzen in meinen Märchen das immer machen?“, sagte er, während er verträumt in die Ferne sah. Raffel sank entnervt in sich zusammen. „Boah, komm mir nicht mit deinen Märchen. Die sind so was von unrealistisch.“ Justus ignorierte ihn. „Die Prinzen retten immer die Prinzessinnen vor Monstern oder Drachen. Und am nächsten Tag heiraten sie... hach, wenn nur ein Drache Mariella entführen würde und ich mich beweisen könnte ...“ Kurz war es still. Dann fiel ihm auf, was er gerade gesagt hatte. „Waaarte mal ...“, sagte er betont langsam, während er sich zu Raffel umdrehte. Raffel versuchte, seinem Blick auszuweichen. „Denk nicht dran. Vergiss es. Sowas mach ich nicht.“ „Doch, doch, doch! Das ist DIE Idee! Du entführst Mariella und ich tu so, als würde ich dich nicht kennen und befreie sie!“, rief Justus und sprang begeistert auf. „Nee. Das ist mir zu blöd. Ich entführ doch niemanden“, meckerte Raffel trotzig. Justus machte Hundeaugen. „Biiitte, bitte, bitte!“, quengelte er, während er versuchte, niedlich auszusehen. Raffel knickte ein. „Na gut. Und wann hast du vor, das zu machen?“, fragte er pampig. „Am besten noch heute Nacht!“

Am nächsten Morgen wurde Justus von harten Schlägen an der Tür geweckt. „Wachen Sie auf, Eure Hoheit! Mariella von Lurchhausen wurde entführt! Sie müssen sie retten!“ Ihm war doch etwas mulmig zumute. Was, wenn jemand herausfand, dass er dahintersteckte? Na ja, retten musste er sie eh. Und so verabschiedete er sich tränenreich und mit viel Schauspielkunst von seinen Eltern und ritt in Richtung von Raffels Höhle los. Unterwegs kamen ihm noch mehr Bedenken. War es nicht auffällig, dass er wusste, wo die Höhle war? War Mariella Raffel vielleicht schon entwischt? War das alles überhaupt richtig? Er versuchte sich abzulenken. Schließlich kam er an der Höhle an. Es war schon abends und die Sonne stand so, dass er kaum erkennen konnte, was in der Höhle geschah.

Erst als er eintrat, sah er alles. Raffel stand vor Mariella und blockierte den Ausgang, sodass sie nicht fliehen konnte.Mariella wiederum lehnte mit verschränkten Armen an der Wand und sah recht unbeeindruckt aus. Weder theatralisches Weinen noch verzweifelte Hilfeschreie. Absolut nicht märchenhaft.

Justus stieg unbeholfen von seinem Pferd ab, zückte sein Schwert und schrie mit dünnem Stimmchen: „Lass die holde Prinzessin in Ruhe, du Monster!“ Mariella hob eine Augenbraue. Raffel drehte sich um und tat so, als wäre er deswegen jetzt schrecklich wütend. „Niemals, du erbärmliches Würmchen!“, donnerte er, während er Feuerbälle aus seinen Nüstern blies, um den Effekt zu vergrößern. „Dann werde ich wohl gegen dich kämpfen müssen!“, stieß Justus etwas zittrig hervor. „Ja, das wirst du.“, meinte Raffel. Die beiden sahen sich peinlich berührt an. Keiner ging auf den anderen los. Es herrschte Stille. „Du musst mich angreifen!“, flüsterte Raffel. „Ach so ... ähh ... graaah ...!“, rief Justus und lief widerwillig auf Raffel zu. Und dann kämpften sie. Ich erspare euch jetzt die Einzelheiten, denn der Kampf war wirklich verklemmt und peinlich und sogar die Prinzessin am Rand musste sich einige Male das Lachen verkneifen. Gegen Ende lag Raffel auf dem Boden und mimte den Sterbenden. Leider war er dabei etwas zu gut und Justus, dem viel an seinem Freund lag, wurde schwindelig. Und als Raffel dann mit einem letzten Seufzen seine Augen schloss, war es ihm endgültig zu viel. Er versuchte noch, sich auf sein Schwert zu stützen, aber vergeblich. Ihm wurde schwarz vor Augen.

Als er wieder aufwachte, befand er sich in seinen Gemächern. Seine Eltern standen mit besorgten Gesichtern an seinem Bett. „Was ... was ist passiert?“, stammelte er. „Alles gut. Du hast den Drachen besiegt. Du kannst stolz auf dich sein“, beruhigte ihn seine Mutter verständnisvoll. „Warum bin ich dann hier?“, fragte Justus, immer noch verschlafen. „Nun ja ... nachdem du den Drachen besiegt hast, bist du ohnmächtig geworden. Mariella musste Erste Hilfe an dir ausführen und hat dich dann auf deinem Pferd nach Hause geritten. Wie nett von ihr, nicht?“, erklärte sein Vater. Justus schlug sich gegen die Stirn. Wie peinlich! Alles war schiefgelaufen. „Ach ja“, fügte seine Mutter hinzu, „Mariella hat uns alle außerdem zu ihrer Hochzeit eingeladen! Sie heiratet nächste Woche die Prinzessin von Lamanien! Ach wirklich, so ein nettes Mädchen!“ Justus sank in sein Kissen.

Und wenn das Königspaar von Lurchhausen — Lamanien nicht gestorben ist, dann leben sie noch heute.

Ein preisgekröntes Märchen in der Alterskategorie 17 – 25 Jahre

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von Meggy Hinze (18 Jahre) aus Brandenburg an der Havel), ausgezeichnet mit einem Sonderpreis

Es war einmal vor langer Zeit, da trauerte der Wassergeist Undine um ihren menschlichen Geliebten. Ein Verrat hatte ihr das Herz gebrochen und so zog ein gewaltiger Sturm auf, der ihre Gefühle verkörperte. Undine wollte zusammen mit allen, die Teil ihres Leides waren, untergehen und brachte eine große Flut über das Land. Doch die Bewohner wappneten sich gegen die Naturgewalt und errichteten eine große Mauer, die die Natur von ihnen abschnitt. So konnte Undine die Menschen nicht mit sich in die Abgründe des Wassers ziehen. Also verließ sie das Land und verwandelte sich in einen Fluss und nahm den Regen mit sich.

Was Niemand wusste war, dass bei dem Sturm Undines Sohn Kyrill geboren wurde. Kyrill war allein. Weil er eine Menschenseele besaß, konnte er seiner Mutter nicht in den Fluss folgen. Er versuchte seine Mutter zurückzuholen, doch er wusste nicht wie. Er hoffte darauf, dass die Bewohner der Burg ihn aufnehmen würden, doch diese konnten keinem Wassergeist mehr trauen und schlossen Kyrill aus. Er stand zwischen zwei Welten, denen der Menschen und denen der Wassergeister. Er wusste nicht, weshalb die Welt in die er gekommen war, so gespalten wurde. Er suchte nach Antworten und glaubte, sie in der Burg zu finden. Daher versuchte er Tag um Tag die Mauer zu überwinden. Es vergingen viele Jahre und langsam begann die Mauer zu bröckeln.

Kyrill hatte mittlerweile fast die Hoffnung aufgegeben und saß traurig am Wasser. „Warum bist du so traurig?“ Erklang eine Stimme und Kyrill erschrak. „Wer spricht da?“, fragte er sich und sah sich um. Da schaute aus einem Spalt der Mauer ein Mädchen zu ihm herüber und sah ihn wunderlich an. „Ich bin Kalliope. Aber wer bist du und was machst du da draußen?“ „Ich bin Kyrill, und ich bin traurig, weil ich die Mauer nicht überwinden kann...“ „Du bist ja seltsam. Hier Drinnen wollen alle nur raus!“ „Wieso?“ „Weil es hier kaum Wasser gibt.“ „Lässt du mich rein? Vielleicht können wir uns gegenseitig helfen!“ Kalliope warf ein Seil über die Mauer und rief Kyrill zu, daran herüber zu klettern. „Dann erzähl mal, wie willst du uns helfen?“ „Meine Mutter, Undine, war ein Wassergeist. Aus irgendeinem Grund hat sie das Wasser verschwinden lassen und ist zu einem Fluss geworden, doch ich weiß nicht warum! Hilfst du mir herauszufinden, was passiert ist?“ „Undine? Aber das ist doch ein Märchen!“ „Ein Märchen? Erzähl was darin passiert!“ „Komm mit, ich zeig es dir. Wenn etwas geschrieben steht, dann findet man es in der magischen Bibliothek.“

Sie gingen durch das Innere der Mauern, welches sich über die Jahre zu einer Stadt entwickelt hatte. Aus Angst, erkannt zu werden, zog Kyrill sich eine Kapuze über, doch die Menschen der Stadt schauten nur zu Boden oder auf seltsame Platten, die sie in den Händen hielten. „Was ist denn mit den Menschen los?“ Kalliope zuckte mit den Schultern: „Sie sind verflucht. Die Dinger scheinen sie abzulenken von all der Trostlosigkeit. Aber leider nimmt es ihnen die Nähe zu anderen...“ Kyrill sah betroffen zu Boden, sodass er nicht bemerkte, dass sie schon angekommen waren. „Schau, wir sind da!“ Er sah auf und stutzte. Sie standen vor einem weißen Gebäude, auf dem Fouqué-Bibliothek stand. „Das ist eure magische Bibliothek? Die sieht ja ganz normal aus?“ „Wie soll sie denn von außen auch aussehen? Du musst hineingehen, um die Magie zu erleben!“ Kalliope huschte an Kyrill vorbei und öffnete ihm die Tür. Er zögerte, weil er nicht wusste, was sich wohl hinter der Tür verbergen würde. Er ging hinein, doch auch von innen sah sie ganz gewöhnlich aus. Und was ihm auch auffiel, war, dass die Bibliothek menschenleer war. „Ich sehe hier keine Magie...Ich sehe hier noch nicht einmal Menschen.“ „Das liegt daran, weil sie vergessen haben, wie man Magie sieht. Und du weißt es anscheinend auch nicht.“ Kalliope führte ihn zu einem Regal und nahm ein sehr altes Buch heraus, auf dem „Undine“ stand. Sie drückte es ihm in die Hand. „Hier. Du musst nur anfangen zu lesen.“ Kyrill zögerte. Doch als er das Buch öffnete und die ersten Zeilen zu lesen begann, fing er an, die Magie zu sehen, von der Kalliope gesprochen hatte. Es war, als sähe er seiner Mutter zu und erlebte, was sie erlebt hatte. Er fühlte, was sie gefühlt hatte. Das Buch schien seine Emotionen zu verzaubern, und schließlich verstand er, was damals mit seiner Mutter geschah. Undine verliebte sich in Huldbrand und heiratete ihn, um eine Seele zu bekommen, doch er verwünschte sie nach einem Missverständnis. Ihr Vater zwang sie dazu, Huldbrand zu töten, als er eine Menschenfrau heiratete. Das Märchen endete damit, dass Undine als Quelle um das Grab ihrer Liebe floss.

Als Kyrill aufhörte zu lesen, war er wieder in der Bibliothek. „Wow, das war... magisch...“ Kalliope grinste. „Sag' ich doch. Das ist unsere Art der Magie. Und? Weißt du jetzt, was mit deiner Mutter geschah?“ Kyrill sah betroffen zu Boden: „Sie wurde verraten. Dabei wollte sie nur eine Seele... Aber was soll ich denn jetzt tun? Das hilft mir nicht weiter...“ „Ich kenne das Ende dieser Geschichte... sie ist traurig, nicht wahr? Aber das ist nur das Ende, weil Herr Fouqué die Geschichte so beendet hatte.“ Kalliope kramte etwas in ihrer Tasche. „Was meinst du damit? Wer ist dieser Fouqué? Und was kramst du da?“, fragte Kyrill. „Du musst dich nicht an das halten, was andere von dir sagen. Herr Fouqué ist der Autor des Märchens, aber niemand hält dich auf, das Ende zu ändern, indem du die Geschichte weitererzählst.“

Sie gab ihm einen Stift und ein Stück Papier in die Hand. Kyrill dachte darüber eine Weile nach. „Aber wie soll ich ändern, was bereits passiert ist?“ Er ließ den Stift zu Boden sinken. „Was passiert ist, muss nicht für immer sein. Aber das kannst du nur herausfinden, indem du versuchst, es zu ändern. Schreib deiner Mutter einfach einen Brief.“ Sie nahm seine Hände und schaute ihm fest in die Augen. „All die Menschen da draußen haben aufgegeben, weil sie wie du die Hoffnung aufgegeben haben. Weil sie nicht mehr glauben konnten, etwas ändern zu können. Aber du kannst ihnen zeigen, wie man es versucht. Du musst nur anfangen. Versuch es bitte...“ Kyrill sah nach draußen, zu den Menschen. Dann sah er auf das Papier und den Stift. Er fasste einen Entschluss und begann, seinen Brief zu schreiben. Kalliope fing an zu strahlen. Kyrill brauchte lange für den Brief, doch am nächsten Morgen war er fertig. Er weckte Kalliope, die neben ihm eingeschlafen war. „Kalliope, Kalliope! “Ich hab’ ihn fertig, wach auf!„ Er strahlte vor Freude, während Kalliope erschreckt aufwachte und sich die Augen rieb. “Hast ja lang genug dafür gebraucht. Und wie bringen wir ihn jetzt zu deiner Mutter?„ Kyrill hatte sich darüber gar keine Gedanken gemacht, doch dann kam ihm eine Idee. Erst faltete er den Brief zu einem Papierschiff und stand auf. “Komm mit! „ Er schnappte sich ihre Hand und rannte mit ihr auf die Stadtmauer zu. Kalliope konnte kaum mithalten, und schnaufte als sie ihn endlich einholte. “ Hyff... was jetzt...?„ Kyrill starte auf die Mauer. “Wir müssen irgendwie da durch." "Hinüber kommen klappt leider nur, wenn jemand auf der anderen Seite steht und das Seil festhält...„ Sie überlegte: “Du bist doch der Sohn von Undine oder nicht? Kannst du nicht zaubern oder so?" "Meine Kraft ist zu zerstörerisch„, sagte er beschämt. “Aber die Mauer müssen wir doch auch zerstören?„, sagte Kalliope. Kyrill zögerte. “Dann warne alle vor einem großen Sturm und bring dich in Sicherheit." Kalliope nickte und sorgte für eine weitreichende Unwetterwarnung, um die Menschen zu schützten.

Dann entfaltete Kyrill seine Kraft und ließ Wolken sich zu Bergen auftürmen. Der Himmel wurde dunkel und Tropfen stürzten wie Hämmer nieder. Sie zertrümmerten die Mauer und Türme der Stadt. Die Havel stieg empor, und verschlang die Trümmer in ihren Untiefen. Kyrill kämpfte gegen seinen eigenen Sturm. Er schützte den Brief so gut er konnte und gab der Havel das Papierschiffchen mit. Er holte tief Luft und der Wind blies das Schiffchen davon. Kyrill versuchte den Sturm wieder zu stoppen, doch er war außer Kontrolle geraten. Er konnte nur noch hoffen, dass sein Brief funktioniert und dass Undine zurückkommen würde, um die Gewässer zu beruhigen. Er schrie nach ihrer Hilfe, ohne eine Antwort zu bekommen. Aus Verzweiflung begann er den Inhalt des Briefes zu ihr zu schreien. „Du hast das Recht wütend oder traurig zu sein, aber das was andere über dich schreiben muss nicht dein Schicksal sein. Du kannst dein Ende selber wählen, denn allein deine Taten machen dich zu dem, der du bist! Und wenn du meine Mutter bist, dann komm und hilf mir!“ Kyrill konnte dem Sturm nicht mehr lange standhalten.

Doch dann hörte es langsam auf zu regnen und der Sturm beruhigte sich. Es nieselte nur noch ganz leicht und aus den Tiefen der Havel erhob sich Undine. Kyrill konnte es nicht fassen. Er war überglücklich, seine Mutter zu sehen und rannte auf sie zu, um sie in die Arme zu schließen. Kalliope sah die beiden und rannte zu ihnen nach draußen. „Wow, es hat wirklich funktioniert!“ Die Leute folgten Kalliope nach draußen, schauten auf. Die freie Sicht enthüllte die weiten Wälder und Seenlandschaft der Umgebung. Die Leute sahen mit Ehrfurcht in die Weiten, die sie vergessen hatten, bevor sie sie kannten. Undine sah zu den Menschen und erkannte für sich, dass auch die Menschen sich nach einer Seele sehnten, die ihnen nur die Natur geben konnte. Die Platten, die die Menschen von ihrem Sehnen nach der Natur ablenken sollten, warfen sie fort. Undine erkannte, dass die Menschen den Respekt nur zur Natur finden konnten, wenn sie mit ihr zusammenleben und brachte den Menschen das Wasser zurück.

Und so lebten Mensch und Natur wieder vereint.

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