Siegermärchen 2021

Das Wunder-Mädchen

Es war einmal ein Mädchen. Es war so warm wie Feuer, so schön wie Rosen und sehr, sehr freundlich, so wie kein anderer. Alle mochten sie - bis auf eine Person. Diese Person war eine Hexe. Die Hexe wollte sie loswerden.
Die Jahre vergingen und das Mädchen wuchs heran. Eines Tages begegneten die Hexe und das Mädchen sich im Wald. Die Hexe hatte sich in ein altes Mütterchen verwandelt. Sie nahm einen großen Korb, in dem eine Spionkatze war, mit. Aber niemand außer dem Mädchen dürfe die Spionkatze sehen. Die Hexe sagt: „Ich habe was für Sie, weil Sie immer so nett sind.“ Da sagte das Mädchen: „Ach, das wäre doch nicht nötig gewesen. Aber Dankeschön für das Geschenk. Ich habe aber noch Fragen.“ „Was denn?“, fragte die Hexe. „Was ist in denn im Korb und wieso kriege ich es?“ Die Hexe sagte: „1., da ist eine Katze drin und 2., weil Sie nett sind.“ Das Mädchen ging mit der Katze nach Hause. Die Hexe lachte und sagte: „Endlich ist sie bei ihr.“
Monate vergingen und die Hexe hatte es immer noch nicht geschafft, das Mädchen loszuwerden. Das machte die Hexe wütend. Eines Tages kam die Schwester der Hexe, die gute Fee. Das war die Glücksfee vom Mädchen. Sie hatte ihren Zauberstab schon in ihrer Hand und sich auf den Weg gemacht, um das Mädchen zu beschützen.
Die Fee kam bei der Hexe an und fragte: „Warum bist du so böse, Schwester?“ Die Hexe antwortete: „Böse würde ich das nicht nennen. Ich würde es genervt nennen.“ Die Fee sagte: „Sag das doch gleich, ich helfe dir.“ „Du mir helfen?“, fragte die Hexe.
Bubel-die-Babel-die-bie - und auf einmal war ein Massagegerät da. Die Hexe konnte es kaum erwarten!
Die Katze hatte vergessen, zu spionieren, weil sie ihr neues Zuhause sehr, sehr mochte.
 

Sonderpreis „für die genervte Hexe“

Xenia-Reneé Wiznerowicz, 8 Jahre
Luckenberger Schule, Brandenburg an der Havel

Preis-Pate: Verkehrsbetrieb Brandenburg an der Havel GmbH

 

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Der versteinerte Prinz

Vor langer, langer Zeit, da lebte ein Prinz. Der musste in den bösen Wald reiten. Niemand wusste, dass er verflucht war. Er ritt also in den Wald und traf eine böse Hexe, diese sprach: „Komm mit mir.“ Er sagte aber: „Nein, ich will eine Gemahlin finden.“ Die böse Hexe erwiderte: „Du wagst es, mir zu widersprechen? Du sollst für immer ein stummer Stein sein, nur ein Kuss von einem Mädchen mit reinem Herzen kann dich erlösen.“ Sie murmelte noch einen Zauberspruch und schon war er ein Stein.
Da lag er nun auf dem Boden.
Eines Tages ging ein gutes Mädchen in den Wald und fand den Stein. Weil er für sie aussah wie ein funkelnder Edelstein dachte sie, er kann einen guten Platz im Fenster bekommen und ich werde ihn hüten und lieben und ihn überall hin mitnehmen. Und wie sie es sich vorgestellt hatte, hielt sie es und hatte ihn auch gern.
Eines Tages ging sie wandern und vergaß den Stein. Da trat eine junge Hexe in ihr Haus. Sie war die Tochter der bösen Hexe, aber sie selber hatte ein gutes Herz. Sie sagte aber immer zu sich: „Ich soll böse sein, nur dann ist Mutter stolz.“ Plötzlich sah sie den Stein und dachte sich, dass sie ihn mitnehmen könnte. Niemand würde es merken. Doch die böse Hexe sah alles durch ihre Zauberkugel. Sie wäre fast vor Wut losgeflogen und hätte den Stein zerstört. Aber auf einmal hatte sie eine teuflische Idee. Sie glaubte, dass die Tochter ihr den Stein schenken würde und sie den Stein dann vergiften könnte.
Aber so kam es nicht.
Die Tochter verheimlichte es. Dann, eines Tages, sagte die böse Hexe: „Gib mir den Stein, den du gefunden hast!“ Die Tochter fragte: „Woher weißt du das? Und warum?“ „Durch meine Zauberkugel, du dummes Weib! Weil das kein Stein ist, sondern ein Prinz! Ich will ihn vernichten!“ Da rannte die Tochter blitzschnell raus mit dem Stein zum Haus des Mädchens.
Das Mädchen saß gerade mit hängendem Kopf auf dem Bett und dachte an den Stein, den sie vergeblich gesucht hatte. Da stürzte die Tochter der Hexe ins Haus und prustete laut: „Ich muss dir den Stein zurückgeben.“ „Was? Du hast den Stein?“ „Ja!“ Das Mädchen saß gebannt da. Sie fragt schließlich: „Warum? Und wie?“ „Weil Mama will, dass ich böse bin. Aber ich will nicht böse sein!“ Das Mädchen starrte sie nur an und nahm schließlich den Stein vor Freude und küsste ihn. Und auf einmal stand ein junger und gutaussehender Prinz vor ihr und guckte sie nur an. Das Mädchen fragte überrascht: „Wer sind Sie?“ Er erwiderte: „Ich bin ein Prinz und du hast mich erlöst. Eine böse Hexe hatte mich verflucht, nur der Kuss von einem Mädchen mit reinem Herzen konnte mich erlösen und du sollst jetzt meine Gemahlin werden.“ Das Mädchen freute sich darüber und nahm den Antrag an und auch die Tochter der Hexe freute sich sehr.
Und übrigens: die böse Hexe wurde danach nie wieder gesehen. Jetzt kriegen sie manchmal Besuch von der lieben Hexe.
Die Drei lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.
 

Sonderpreis für die steinstarke Kraft der Liebe

Victoria Träger, 8 Jahre,
Luckenberger Schule, Brandenburg an der Havel

Preis-Patin: Rechtsanwaltskanzlei Stasche & Buchholz

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Die drei Abenteurer

Es war einmal eine Kartoffel. Sie lebte unter der Erde.
Damals war sie besonders aufgeregt, denn sie sollte aus der Erde geholt werden. „Ach, ich freu mich so“, sagte die Kartoffel zu ihrer großen Schwester. Doch als sie drei Stunden später aus der Erde geholt wurde, freute sie sich gar nicht mehr. Denn die Familie Peyer wollte sie essen.
Ein wenig später: „Ich will aber nicht geschält werden“, sagte die Kartoffel zu der Möhre und dem Schnitzel. Die beiden sollten auch gegessen werden. „Guck mal, wir beide meckern auch nicht rum“, meinte die Möhre. Das Schnitzel und die Möhre wollten aber auch noch nicht auf dem Teller enden.
Die drei wurden gute Freunde und schmiedeten einen Plan: Nun kam endlich Mathias Peyer mit seinem Sohn Bruno. Bruno hatte großen Hunger und nahm sich eine Kartoffel. „Zum Glück hat sich Bruno nicht mich geschnappt“, sagte die Kartoffel. Die drei besten Freunde schlüpften durch die offenstehende Terrassentür. Sie gingen sieben Dörfer weiter in einen Wald. Dort suchten sie sich einen Unterschlupf. Am nächsten Tag gingen die Freunde im Wald spazieren. Das sahen die Drei eine Hexe. Sie wollten sich verstecken, aber die Hexe hatte sie schon gesehen.
Die Hexe stellte sich lieb, aber sie wollte alle drei verzehren. Die Hexe sagte: „Kommt mit in mein Haus, da werde ich euch versorgen.“ „Wir kommen mit“, sagte das Schnitzel ganz mutig. „Ich wusste gar nicht, dass du sprechen kannst“, sprach die Möhre. „Ich auch nicht“, sagte die Kartoffel. „Kommt mit, hier geht es lang“, meinte die Hexe. Als sie vor dem Haus standen, wurde den drei Freunden etwas mulmig zu Mute. Drinnen hielten zwölf Schlangen die Lampen. Die Hexe nahm sich ein riesiges Messer und wollte damit die drei Freunde erstechen, aber die Kartoffel schnappte sich das Messer und die Möhre benutzte ihre magischen Kräfte. Die Hexe war auf einmal ganz klein und so war es kein Problem für die Kartoffel, die Hexe zu erstechen. Da riefen alle im Chor: „Die Hexe ist tot, die Hexe ist tot!“
Fortan lebten sie ein schönes Leben im Haus der Hexe mit vielen Kartoffeln, Möhren und Schnitzeln. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.
 

Sonderpreis für einen märchenhaften Gemüseeintopf

Ida Peyer, 8 Jahre
Meusebach-Grundschule Geltow

Preis-Pate: Städtisches Klinikum Brandenburg GmbH & KSC Klinik Service Center GmbH
 

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Die Zauberfeder

Es war einmal vor langer Zeit ein junger Müllersohn, der mit seinem Vater in einer Mühle wohnte.
Eines Tages kam der Bote vom König. Er brachte eine königliche Botschaft. Darin stand: Der Erste, der die Prinzessin zum Lachen bringt, wird ihr Gemahl und erhält das halbe Königreich.
Als Müllerjunge Hanz die Botschaft zu Ende gelesen hatte, staunte er nicht schlecht, denn niemand war schöner als die Prinzessin. Doch Hanz war arm und auch kein Prinz. Er war nur ein armer Müllersohn.
Als er später in den Wald ging, um Holz zu hacken, begegnete Hanz ein altes Männlein. Das sagte zu ihm: „Hanz, ich habe Durst, denn ich war lange auf Reisen, doch nun habe ich kein Wasser mehr. Bitte gib mir Wasser, bitte.“ Hanz gab dem alten Männlein, was es verlangte. Das setzte sich nun auf einen Baumstamm und trank das ganze frische Wasser aus. Als es fertig war, sagte es zu Hanz: „Du warst nett zu mir und teilst mit armen Menschen. Als Lohn für deine guten Taten gebe ich dir diese Feder. Diese Feder ist aber keine normale Feder. Es ist eine Zauberfeder. Mit ihr kannst du Dinge aufzeichnen und erscheinen lassen, in dem du mit der linken Hand über die Zeichnung streichst.“ Und kaum hatte er es gesagt, verschwand er wieder. Daraufhin ging Hanz nach Hause zu seinem Vater und erzählte ihm alles, was geschehen war. Am folgenden Tag fiel Hanz ein, wie er die Prinzessin zum Lachen bringen konnte, ohne reich und ohne ein Prinz zu sein. Schließlich ritt er mit seinem Pferd zum Schloss. Am Schlosstor blieb er stehen, denn die Wachen ließen ihn nicht durch. Als er aber sagte, er würde die Prinzessin zum Lachen bringen, ließen sie ihn herein.
Er war im Schloss, nahm seine Zauberfeder und fing an, etwas zu zeichnen. Er zeichnete eine Ziege, eine Gans, einen Hahn, ein Schwein und eine Kuh. Dann strich er mit seiner linken Hand über die Zeichnungen und alles wurde lebendig. Alle Tiere bildeten einen Kreis und machten nun einen lustigen Tanz, dass man nur so lachen musste. Die Prinzessin lachte und lachte, dass sie gar nicht mehr aufhören konnte.
Der König hingegen hielt sein Versprechen. Hanz wurde König und erhielt die schöne Prinzessin als Frau. So lebten sie glücklich und zufrieden und wenn sie nicht gestorben sind, dann lachen sie noch heute.
 

Sonderpreis für ein federleichtes Märchen

Lilly Volkhammer, 8 Jahre,
Grundschule „Am Krugpark“, Brandenburg an der Havel

Preis-Pate: Ecki Production TV-, Medien- und Showproduktion

 

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Lisa‘s Abenteuer

Es war einmal vor gar nicht langer Zeit, da lebte ein Müller mit seiner Frau und seiner Tochter Lisa in einem kleinen Haus an einem Fluss. Lisa hatte ein gutes Herz und war fleißig. Sie half ihren Eltern jeden Tag bei der Arbeit. Eines Tages sagte der Vater zu Lisa: „Lisa, deine Mutter ist krank. Bitte geh‘ ins Dorf zur Apotheke und hole eine Medizin!" Lisa nahm ihren Korb und eilte sofort los. Sie musste über eine Brücke gehen, die neben dem Haus stand. Als sie den Fuß auf die Brücke setzte, zerbrach ein Brett. „Oh nein, wie komme ich jetzt nur hinüber? Die Brücke ist zu morsch und der Fluss ist zu reißend, das schaffe ich nicht", dachte Lisa bei sich. „Es gibt nur noch eine Möglichkeit - ich muss den längeren Weg durch den düsteren Finsterwald gehen."
Die Leute im Dorf erzählten sich viele grausame Geschichten über den Finsterwald. Lisa nahm ihren Mut zusammen und lief los. Am Eingang des Waldes hingen zwei abgeknickte Bäume. Lisa dachte sich: „Oje, die sehen ja aus, wie zwei Krallen." Sie betrat den Wald mit großer Angst. Sie lief schneller und schneller, bis sie zu einer Gabelung kam. Ihr Herz raste wie wild. Sie wusste nicht, welchen Weg sie nun gehen sollte. „Links oder rechts?", dachte sie. Im selben Moment packte sie etwas an der Schulter. „Hallo, was machst du hier?", fragte dieses Etwas mit rauer Stimme. Lisa traute sich erst nicht, sich umzudrehen. Doch sie nahm ihren Mut zusammen und schaute langsam zur Seite. Sie sah einen Wolf, der ihr tief in die Augen schaute. Seine Augen leuchteten gelb. „Hilfe, bitte tu mir nichts!", flehte Lisa den Wolf an. „Wie könnte ich? Ich habe mir gestern Abend meine Zähne an einem Schaf ausgebissen. Sag, was machst du denn hier? Hier traut sich doch nie ein Menschlein her", sagte der Wolf. „Meine Mutter ist sehr krank und ich muss Medizin holen. Unsere Brücke ist zu morsch, um sie zu überqueren. Daher muss ich nun durch den düsteren Finsterwald laufen", erklärte Lisa. „Hm", sagte der Wolf, „ja gut, aber du weißt den Weg nicht, stimmts?" „Ja", sagte Lisa verlegen, „könntest du mir vielleicht helfen, bitte? Es ist sehr, sehr wichtig." „Na gut, aber unter einer Bedingung", antwortete der Wolf. „Ja, alles was du willst. Was soll ich tun?", fragte Lisa. Der Wolf sagte: „Erstens, nenn‘ mich Wolfgang, und zweitens, bring‘ mir bitte auf deinem Rückweg Möhren mit!". „Möhren?", fragte Lisa „Ich denke, du hast dir deine Zähne ausgebissen?" „Ja, das stimmt. Aber ich liebe Möhren und habe zum Glück einen Pürierstab", sagte Wolfgang. Lisa versprach Wolfgang, ihm die Möhren mitzubringen. Wolfgang beschrieb den Weg: „Du gehst hier links lang, dann rechts, dann wieder links, dann wieder links und dann rechts." „Aber das kann ich mir doch gar nicht merken", sagte Lisa ängstlich. „Na gut, komm ich zeige dir den Weg", versprach Wolfgang. Als sie gerade rechts herumgehen wollten, flüsterte Wolfgang: „Hier musst du jetzt gaaanz leise sein. Hier wohnen zwei Monster — Corona und Covid. Sie sind grässlich hässlich und gefährlich. Wenn du ihnen zu nahekommst, niesen oder husten sie dich an und du wirst furchtbar doll krank." „Oje, hast du ein Schild für uns, um uns zu schützen?", flüsterte Lisa. Wolfgang sagte: „Nein, ich habe aber was viel Besseres — Masken, eine für dich und eine für mich. Aber sie schützen dich nur, wenn du sie über Nase und Mund ziehst." Lisa nahm die Maske und setzte sie, wie Wolfgang gesagt hatte, über Mund und Nase auf. Leise liefen beide weiter. Aber im düsteren Finsterwald war es dunkel und Lisa konnte mit der Maske nicht so gut atmen. Sie stolperte über eine Wurzel und fiel auf den Boden. Dabei weckte sie Corona und Covid. „Uaaaaahh", schrie es plötzlich. Lisa erschrak. Wolfgang befahl Lisa: „Leg dich schnell auf den Boden!" Lisa tat, was Wolfgang sagte. Sie zitterte, ihr Herz klopfte wie wild. Covid schimpfte: „Schwester, warum weckst du mich? Warum lässt du mich nicht schlafen?" Das andere Monster antwortete: „Ich habe dir nichts getan, Bruder. Ich wurde selbst geweckt." Covid schrie wütend: „Was soll das? Wer stört uns beim Schlafen?" Beide Monster versuchten, in der Dunkelheit zu sehen und husteten laut. Lisa und Wolfgang rannten los. Die Masken schützten sie. Beide wollten den Monstern nicht zu nahekommen, sondern Abstand halten, wie Wolfgang es gesagt hatte. Wolfgang zeigte Lisa den schnellsten Weg aus dem Wald. Als sie den Wald durchquert hatten, bedankte sich Lisa bei ihrem Retter und küsste ihn zärtlich auf die Wange. Plötzlich machte es „PUFF". Wolfgang schwebte nach oben. Er drehte sich qualmend in der Luft und sank als Prinz wieder auf den Boden. Er erklärte Lisa, dass er von den Monstern krankgemacht und danach verzaubert wurde. Seither irrte er als Wolf allein durch den Wald. „Danke, dass du mich von dem Zauber befreit hast. Ich möchte dir nun helfen, nach Hause zu kommen. Ich glaube, es ist besser, wenn du nicht mehr durch den Wald gehst", sagte Wolfgang. Lisa war damit einverstanden. Beide gingen in das Dorf und holten die Medizin für Lisas kranke Mutter und Möhren für Prinz Wolfgang. Wolfgangs Diener brachten ein Boot, damit Wolfgang Lisa auf dem Fluss nach Hause bringen konnte. Lisas Vater war verblüfft, dass Lisa mit einem Prinzen nach Hause kam. Als Dankeschön kochte Lisa für Prinz Wolfgang aus den Möhren eine Suppe.
Wolfgang und Lisa hatten sich längst ineinander verliebt. Die Mutter wurde wieder gesund. Eine Woche später wurde eine prächtige Hochzeit gefeiert. Lisa und Wolfgang lebten glücklich miteinander. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
 

Hauptpreis in der Altersgruppe 7 -9 Jahre

Emilia Maria Warnke, 9 Jahre
Bad Belzig (OT Lübnitz)

Preis-Pate: Senioren- und Pflegezentrum Brandenburg gGmbH

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Das Abenteuer der drei Zeitreisenden

Es war einmal ein kleiner Junge, namens Jannik. Er lebte mit seiner Familie in einem kleinen Dorf. Es war Frühling und Jannik spielte mit seinem besten Freund Tim. Sie spielten Fangen in einem hochbewachsenen Feld. Plötzlich stolperte Jannik. „Autsch!", sagte er. „Was war das?", wunderte er sich. „Das war eine kleine Sonnenuhr", sagte Tim. „Eine Sonnenuhr blickt aber nicht", wunderte sich Jannik weiter. Tim meinte: „Da ist ein Knopf" und drückte drauf. Auf einmal war es eine Taschenuhr, die keine Zeiger hatte, sondern Zahlentasten. Jannik wurde neugierig und gab ein paar Zahlen ein. Auf einmal waren sie in der Zukunft.
„Wo sind wir?", fragte Tim. „Ich glaube, wir sind in einem fremden Land", sagte Jannik. Die Uhr machte plötzlich ein merkwürdiges Geräusch und schon waren sie wieder zurück in ihrer Zeit.
Am nächsten Tag vernahm Jannik einen Schrei aus der Hütte nebenan. Als er seine Hütte verließ, kam ihm Tim entgegen. „Irgendetwas Gigantisches hatte alle aus dem Dorf entführt! Die Einzigen, die zurückgelassen wurden, sind wir Zwei und das Schaf da drüben", rief er Jannik entgegen. „Wir drei und kein Mensch mehr?", fragte Jannik. „Ich habe niemanden gefunden", sagte Tim. „Ich denke, mit der Uhr können wir es ungeschehen machen", kam Jannik in den Sinn.
Er wollte gerade die Zeit eingeben, da rempelte das Schaf in an und die Uhr ging zu Bruch. Augenblicklich hielt die Zeit an und eine geheimnisvolle Stimme, die über die Zeit wachte, sagte: „Ihr müsst drei Prüfungen bestehen, um die Uhr zu reparieren." Dann wurde um sie herum alles schwarz. Als die drei wieder etwas erkennen konnten, waren sie am unteren Ende eines Turms und oben saß ein kleines, verängstigtes Mädchen aus ihrem Dorf. „Aufgabe 1", kündigte die geheimnisvolle Stimme an, „befreit das Mädchen aus dem Turm!"
Der Turm war riesig und die Jungs sahen keinen Weg hinein. Sie versuchten, zu graben. Aber der Turm ging zu weit in die Tiefe. Sie versuchten, das Schaf als Opfergabe zu benutzen. Dann hatte Tim eine Idee und schrie: „Spring aus dem Fenster!" Das Mädchen sprang und landete weich auf dem Schaf. „Hallo, mein Name ist Nele", stellte sich das Mädchen vor.
„Nun gut. Ihr habt die erste Prüfung bestanden! Aufgabe 2 wird schwerer! Ihr werdet gegen den 7-köpfigen Drachen kämpfen. Ihr bekommt jeder eine Rüstung und ein Schwert", erklärte die geheimnisvolle Stimme.
Der Drache war riesig, rot, hatte feuerrote Augen und scharfe Zähne. Jannik stürzte los und schlug dem Drachen den ersten Kopf ab. Der Kopf fiel zu Boden und wurde zu einem kleinen Drachen, der sofort wegflog, als er Janniks bösen Blick sah. „Tim! Nele! Schlagt die Köpfe ab und guckt böse!" Nachdem die kleinen Drachen vertrieben wurden, kamen sie aus allen Richtungen zurück und wurden zu einem großen Drachen. Der Drache sprach: „Ihr tapferen Krieger habt mich befreit! Ich werde euch nun helfen."
„Ihr habt die zweite Aufgabe bestanden", sagte die geheimnisvolle Stimme. „Ihr werdet nun in der dritten Aufgabe herausfinden, was euer Dorf entführt hat. Löst dieses Rätsel: FLOWTIEZ."
„Ich hab's!", sagt Nele. „Lest das Wort rückwärts! Es war der ZEITWOLF! Er hat alle entführt."
„Super, Nele! Du hast es geschafft. Wir haben nun alle Rätsel gelöst. Die Uhr ist repariert. Aber was ist ein Zeitwolf?", wunderte sich Jannik. „Der Zeitwolf ist ein Wesen, das die Zeit verschlingen will. Dazu braucht er etwas. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, was es ist. Mein letzter Kampf gegen ihn ist 2.000 Jahr her", sagte der Drache.
„Ich denke, er wird die Uhr gesucht haben, die Tim und ich gestern im hochbewachsenen Feld gefunden haben. Da - die Uhr - da drüben liegt sie!“, sagte Jannik, tippte die Zeit ein und schon waren sie wieder in ihrer Zeit, in der der Zeitwolf alle entführt hatte.
„Zeitwolf, wir fordern dich heraus!", rief Jannik. „Ha, ha, ha, ha, ha! Ihr wollt mich aufhalten?!? Gern. Gebt mir die Uhr und ich gebe auf”, sagte der Zeitwolf. Der Drache widersprach: „Die Uhr? Du brauchst die Uhr doch nur, um die Zeit zu fressen. Wir werden sie dir niemals geben!" Dann brach eine große Schlacht aus. Jannik, Tim und Nele schlugen den Zeitwolf mit ihren Schwertern. Der Drache spie Feuer und das Schaf biss den Zeitwolf in sein Bein. Aber er wollte sich nicht ergeben und biss wild um sich. Jannik hatte eine Idee: „Wir können mit der Uhr die Zeit für uns vordrehen, dann beißt der Zeitwolf ins Leere, weil wir ihm immer einen Schritt voraus sind." Sie drehten wie verrückt an der Zeit. Einige Sekunden reichten aus, um seinen scharfen Zähnen immer wieder zu entwischen. Erschöpft fiel der Zeitwolf zu Boden und blieb liegen. Er war besiegt!
„Wo sind die Gefangenen?", fragte Nele. „Da! Sie sind in einem riesigen Käfig", sagte der Drache. Als sie befreit waren, gab es eine große Feier. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
 


Sonderpreis für einen einfallsreichen Zeitwolf

Jannik Alexander Schilling, 11 Jahre
von Saldern-Gymnasium, Europaschule, Brandenburg an der Havel

Preis-Patin: Brandenburger Bank                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           

 

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Das kleingroße Substantiv

Es war einmal ein kleines, mickriges Substantiv. Es wollte genauso sein wie all die anderen coolen Wortarten in Worthausen. Doch niemand wollte es in seine Nähe lassen. „Oh, igitt, bist du klein!", sagten die Verben häufig.
Das Substantiv dachte, nachdem es das 15. Mal abgewiesen wurde, dass es doch etwas geben müsse, wessen es würdig wäre. Kein Fußball, kein Basketball, kein Volleyball, nicht einmal Golf wollten es die Personalpronomen mitspielen lassen. Zu wem würde es passen? Diese Frage stellte sich das Substantive täglich. Häufig hatte es schon Geschichten von einem Schwert gehört, welches nur Wörter mit ganz starkem Willen aus einem Stein herausziehen können. Es dachte sich, weil es so oft abgewiesen wurde und so oft zurückkam, müsste sein Wille stark genug sein, um sich dem legendären Schwert „Ex-Wortikur" zu stellen.
Es wollte sich gerade auf den Weg machen, als ihn seine Mutter abfing, um ihm noch schön warme Buchstabensuppe für den Weg einzupacken. Als es an der Grenze von Worthausen ankam, standen dort ganz viele andere Substantive. Sie hatten von dem Plan des einen Substantivs gehört und wollten sich mit auf den Weg machen und sich nacheinander dem Schwert „Ex-Wortikur" stellen. Als sie am Wald ankamen, schnüffelten sie einen leckeren Geruch. Sie dachten alle das Gleiche: Die böse Hexe, die das Schwert bewachte. Sie wussten, wie das Essen riecht. Ihre Mütter haben ihnen oft Bücher darüber vorgelesen, und diese Bücher hatte einen Zauber, mit dem die Substantive das Essen riechen konnten, außerdem auch alle anderen Bilder, auch auf der Seite der Hexe.
Sie mussten sich der Hexe aber stellen, also rannten sie mit Gebrüll los, um das Haus zu stürmen, aber die Hexe war ganz nett. Sie bot allen Kaffee an und ermöglichte es ihnen sogar, einmal ihr Glück mit dem Schwert zu versuchen. Keiner schaffte es, bis der letzte an der Reihe war. Sie hatten sich das Substantiv mit der höchsten Erfolgschance bis zum Schluss aufgehoben. Jedem blieb der Atem stehen, als es versuchte, das Schwert aus dem Stein zu ziehen, doch vergebens. Da die Hexe sah, dass alle traurig waren, gewährte sie ihnen als Gruppe einen Wunsch. Alle waren sich einig, was sie sich wünschen sollten.
3 Tage später.
Als die Substantive Basketball spielten, freuten sie sich, dass sie jetzt die Größten waren. Sie hatten sich nämlich gewünscht, die Größten zu sein und jetzt konnten die Adjektive ihnen kein Leid mehr antun, genauso wie die anderen Wortarten, die bis vor früher Stunde, noch größer gewesen waren. Jeder war glücklich, denn die Nomen, so hießen sie jetzt, ließen jeden mitspielen, weil sie so nett waren, und so leben sie alle glücklich bis an ihr Lebensende, was noch eine Weile hin sein wird.
 

Hauptpreis in der Altersklasse 10-12 Jahre

Lucas Schulz, 12 Jahre
Brandenburg an der Havel

Preis-Pate: Förderverein Freunde der Fouqué-Bibliothek e.V.

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Der Feenwald

Es war einmal ein junges Mädchen namens Alex. Sie war schlau und sehr hübsch. Sie hatte lange braune Haare, die sie immer mit einem Haarreifen zusammentrug. Ihre eisblauen Augen stachen aus dem Gesicht heraus. Alle mochten sie. Eines Tages wollte Alex sich mit einer Freundin im Schloss Sanssouci treffen. Alex traf als Erste ein. Um sich die Zeit bis zum Eintreffen ihrer Freundin zu vertreiben, ging sie ins Schloss. Ihr fielen sofort die zauberhaften Malereien an der Wand auf. Sie fühlte sich magisch von diesen Bildern angezogen. Bei genauerer Betrachtung bemerkte sie, dass es sich um Darstellungen von feenhaften Gestalten handelte. Diese Wesen befanden sich auf Bildern an Wasserfällen, auf wunderschönen Lichtungen und in sattgrünen Wäldern. An deren Seite waren immer zahlreiche Tiere zu sehen wie Schwäne, Hirsche. Sogar Einhörner konnte Alex erkennen. Bei genauerem Hinsehen bemerkte Alex noch etwas. Es war eine kleine Platte, die zahlreich mit Bernsteinen verziert war. Als Alex diese berührte, leuchtete eines der Bilder in prächtigen bunten Farben auf. Vorsichtig versuchte sie ihren Arm hinein zu stecken. Nichts geschah. Alex dachte sich, „gut, es tut schon mal nicht weh.“ Sie tastete sich vorsichtig, Schritt für Schritt, durch das leuchtende Bild.
Plötzlich befand sie sich an einem komplett anderen Ort. Alex fühlte sich, als wäre sie in eines der Bilder gefallen. Doch dieser Ort war deutlich trostloser, wie ausgetrocknet. Alex drehte sich erschrocken um und wollte durch das Portal zurück in den Park von Sanssouci, doch der Durchgang war verschwunden. Sie war erschrocken. Was würde ihre Freundin machen, wenn Alex nicht zu dem Treffen kommen würde? Und ihre Eltern? Ihre Eltern würden sich große Sorgen machen. Fest entschlossen, einen anderen Weg nach Hause zu finden, schritt sie voran. Sie wusste zwar nicht, wohin sie gehen sollte, aber alles war besser, als auf der Stelle stehen zu bleiben. So ging sie durch den Wald und hoffte auf ein weiteres Portal zu stoßen, um wieder nach Hause zu kommen.
Nach einiger Zeit wurde Alex sehr, sehr müde und sie wollte auf der sich vor ihr befindlichen Lichtung unter einem großen Baum eine Pause machen. Gerade als Alex sich hinsetzen wollte, machte es unter ihr „krach“ und sie rutschte einen langen Weg nach unten. Es fühlte sich an, als würde sie fallen, so schnell ging die Rutschpartie. Als die Fahrt zu Ende war, befand sich Alex in einem hübsch eingerichteten Zuhause. Bloß waren die Wände nicht aus Erde oder Holz, wie sie es in einer Höhle erwartet hätte. Die Wände waren aus Kristallen, die in den verschiedensten Farben strahlten und den Raum hell erleuchteten. Erstaunt sah sie sich um und entdeckte eine kleine zarte Person, die sie genauso überrascht anblickte. Dieses Wesen erinnerte sie an die Zeichnungen, welche sie im Schloss vor ihrer erstaunlichen Reise betrachtet hatte. Nachdem sich Alex von ihrem ersten Schrecken erholt hatte, fragte sie das kleine Wesen: „Wer bist du und wo bin ich hier?“ „Hallo, ich bin Trixie“, antwortete die zierliche Gestalt, „und du bist in meinem Zuhause. Wer bist du, wenn ich fragen darf?“ „Ich bin Alex. Was ist das für ein Wald?“, wollte Alex weiter wissen. „Das ist der Feenwald. Hier leben alle Feen, Elfen, Zwerge, Gnome und andere Zauberwesen, aber so jemanden wie dich, habe ich hier noch nie gesehen“, erklärte Trixi ihr mit einem freundlichen Lächeln. Da Alex das Gefühl hatte, Trixie vertrauen zu können, erzählte sie ihr von ihren Erlebnissen des heutigen Tages. Nachdem sie alles geschildert hatte, fragte sie Trixie, warum denn der Feenwald so vertrocknet und trist ausschaute. Sie hatte sich die Welt der Feen, Elfen und anderen Zauberwesen farbenfroh, frisch und lebendig vorgestellt. „Der Feenwald war auch ein Ort voller Magie und voller Leben, aber vor einiger Zeit hat die böse Zauberin Esmia das Wasser aus der Quelle des Lebens gestohlen, welches sich im magischen Brunnen befand. Dieses Wasser hat magische Kräfte und versorgt damit den Wald und seine Bewohner mit Magie und Leben.“ Alex entgegnete ihr: „Das tut mir sehr leid für euch. Konnte denn niemand sich gegen die Zauberin wehren?“ „Der Brunnen wurde von sieben Wächterinnen beschützt, aber der Überfall kam so plötzlich, dass sie nichts dagegen tun konnten. Esmira überraschte sie und versteinerte die Wächterinnen, noch bevor diese begriffen, was gerade geschah.“ Nach einem langen Gespräch, dass sich anfühlte wie zwischen zwei Freundinnen, fragte Alex dann, ob sie wüsste, wie sie wieder nach Hause kommen könnte. „Nur die sieben Wächterinnen können dich wieder nach Hause bringen, aber seit das Wasser des Lebens von Esmira gestohlen worden ist, sind die sieben Wächterinnen versteinert. Nur wenn das Wasser des Lebens wieder im magischen Brunnen ist, werden die Wächterinnen wieder über genügend Magie verfügen, um wieder zum Leben erwachen zu können. Nur sie haben so viel Magie, dass sie dir helfen können, wieder nach Hause zu kommen“, erklärte Trixie. „Na, dann werde ich eben das Wasser des Lebens von Esmira zurückholen!“, sagte Alex entschlossen.
Trixie schrie: „Nein!!! Sie wird dich bestrafen, vielleicht versteinert sie dich genauso wie die Wächterinnen oder sie wird dich umbringen, wenn sie dich dabei erwischt. Esmira ist unberechenbar. Niemand konnte sie bisher besiegen.“ Doch Alex ließ sich nicht beirren. „Ich will es aber wenigstens versuchen!“, rief Alex entschlossen aus. „Ich glaube, ich kann dich davon nicht abbringen, aber ich möchte die helfen“, murmelte Trixie. Die Fee ging zu einer Truhe und suchte darin etwas. Dann dreht sie sich wieder zu Alex um und sagt: „Nimm diese drei Dinge, sie sollen dir auf deinem gefährlichen Weh helfen.“ Trixie hielt in ihren Händen einen Stein, einen Poncho und einen Spiegel und reichte diese Dinge Alex. „Vielleicht helfen sie dir, das Wasser zurückzuholen.“ Alex schaute verdutzt: „Vielen lieben Dank, aber wie können sie mir bei meiner Suche helfen? Was können diese Dinge?“ „Wenn du den Stein wirfst, kehrt er immer wieder zu dir zurück. Außerdem kann er sprechen. Der Poncho macht dich für dein Gegenüber unsichtbar, niemand kann dich sehen. Und der Spiegel zeigt dir das, was du sehen möchtest, jedes Wesen und jeden Ort, egal wie verborgen etwas erscheint oder wie sehr sich jemand versucht, vor dir zu verstecken. Doch um eine Antwort zu erhalten, musst du den Spiegel mit Reimen um Hilfe bitten. Dies erscheint zuerst etwas schwierig, aber mit der Zeit wird es dir immer leichter von den Lippen kommen.“
Eine kurze Pause trat ein. Alex wusste nicht wie sie sich bei Trixie bedanken sollt.
„Ach, bevor ich es vergesse, der Stein ist fast immer maulig!“, fügte Tixie mit einem gutmütigen Lächeln hinzu. Sie gab Alex noch eine Karte des Feenwaldes, mit der sie auf dem kürzesten Weg direkt zum Schloss der bösen Zauberin Esmira gelangen konnte. Auch befand sich auf der Karte der magische Brunnen. Alex bedankte sich bei Trixie und begann ihre Reise.
Nach drei langen Tagen und drei dunklen Nächten kam Alex endlich am Schloss von Esmira an. Doch, oh Schreck, vor dem Schloss waren fliegende Affen, Löwen mit drei Köpfen und ein Drachen mit sieben Skorpionschwänzen. Alex wollte sich erst einmal kurz ausruhen und sich überlegen, wie sie an diesen gefährlichen Wachen vorbei ins Schloss gelangen könnte.
Um Mitternacht warf Alex sich den Poncho über und schlich sich an den furchteinflößenden Tieren vorbei. Ihre Angst war so groß, weil sie befürchtete, eines dieser Wesen könnte sie entdecken. Doch es gelang ihr, unbemerkt ins Schloss zu gelangen. Alex hielt die Luft an. Der gesamte Schlosshof war mit Statuen übersät. Es sah aus, als wären diese Figuren mitten in ihren Bewegungen erstarrt. Alex ging weiter. Als sie in der Schlosshalle war, holte sie den Spiegel heraus und sprach: „Spieglein, Spieglein in meiner Hand, wo ist das Wasser des Lebens hingelangt?“ Der Spiegel zeigte Alex Esmira, sie befand sich in einem prunkvoll eingerichteten Zimmer mit einem großen Bett. Esmira saß an einem Tisch und auf diesem Tisch befand sich ein Fläschchen mit einer türkisleuchtenden Flüssigkeit. Alex wusste sofort, dass dies das Wasser des Lebens sein musste. Sobald Alex das Schlafzimmer von Esmira erreicht hatte, vergewisserte sie sich, dass der Poncho sie noch gänzlich umhüllte und betrat das Zimmer. Sie erblickte sofort den Tisch und schlich sich dorthin, aber nirgends war das Gläschen zu sehen. Sie schaute sich um, wo das Fläschchen mit der Quelle des Lebens war. Fast wollte Alex aufgeben, doch da entdeckte sie ein kleines Fläschchen, welches um Esmiras Hals baumelte, während Esmira schlief. Vorsichtig beugte sich Alex über Esmira und griff behutsam nach der Kette. Das Herz von Alex schlug ihr bis zum Hals, so laut, dass sie Angst hatte, Esmira würde es hören können und deswegen aufwachen. Mit großer Achtsamkeit nahm sie die Flasche ab. Erleichtert schlich sie flink aus dem Zimmer. Auf dem Flur angekommen, fing sie an zu rennen. Sie hoffte, dass sie niemanden traf und Esmira noch lange schlafen würde, so dass sie sich einen guten Vorsprung verschaffen könnte. Erst als sie die Wachen und das Schloss hinter sich gelassen hatte, machte sie Pause und rang nach Luft. Überglücklich, dass sie es geschafft hatte, schaute sie auf die Karte von Trixie, um sich zu orientieren und machte sich auf den Weg zum magischen Brunnen. Alex wusste, dass sie keine Zeit verlieren durfte.
Als die Sonne aufging, sah Alex in Richtung von Esmiras Schloss. Über dem Schloss türmten sich dunkle, fast schwarze Wolken auf, aus denen sich Blitze und Donner entluden. Ein richtiges Gewitter schien sich zusammen zu brauen. Esmira hatte wohl das Verschwinden des Fläschchens bemerkt. Doch am schlimmsten war, dass diese Gewitterfront auf sie zuzukommen schien. Sie musste sich beeilen, um rechtzeitig zum magischen Brunnen zu gelangen und das Wasser des Lebens wieder an seinem ursprünglichen Platz plätschern zu lassen. Alex hoffte inständig, dass die Wächterinnen ihr beim Kampf gegen Esmira helfen könnten. Doch was, wenn sie es nicht konnten? Was ist, wenn sie versteinert blieben? Oder ihre Kräfte nicht ausreichen würden, um Esmira zu besiegen? Nein, an so etwas durfte sie nicht denken. Sie musste auf andere Gedanken kommen. Da fiel ihr der Stein ein. Hatte Trixie ihr nicht gesagt, er könne sprechen? „Nun, besser als meine eigenen Gedanken kann es ja nur werden, vielleicht kann er mich ja ein wenig ablenken“, sagte Alex zu sich selbst.
Während Alex weiter in Richtung des magischen Brunnens ging, nahm sie ihn aus ihrer Tasche. „Heyyy… wird ja auch Zeit, dass du mir endlich ein wenig frische Luft gönnst. Womit habe ich denn diese Ehre verdient? Die ganze Zeit musste ich in dieser staubigen Tasche verbringen und habe kaum Luft bekommen. Was fällt dir ein? Was glaubst du, wer du bist?“ geiferte der Stein gleich los. „Es freut mich auch, deine Bekanntschaft zu machen. Ich heiße Alex und dachte, wir könnten uns ein wenig die Zeit vertreiben. Vielleicht kennst du ja eine schöne Geschichte, die du mir erzählen könntest?“ „Pahhh, sehe ich etwa aus wie ein Geschichtenerzähler?“, blaffte der Stein sie an und Alex bereute schon etwas, den Stein aus der Tasche genommen zu haben. Doch sie ließ sich nicht beirren. „Ach, lieber Stein, das ist aber schade, wenn du nur meckern möchtest, dann hätte ich dich lieber im Schloss von Esmira gelassen.“ Sofort war der Stein still. Wenn es für einen Stein möglich war, schaute er sogar ganz erstaunt drein und fragte nun freundlicher: „Was hast du in dem Schloss gemacht? Niemand ist bisher in das Schloss gegangen und wieder herausgekommen.“ Alex erzählte dem Stein von ihrem Zuhause, von ihrem geplanten Treffen im Park und von den Bildern, durch welche sie in diesen Wald gelangt war. Sie erzählte ihm auch von ihrem überraschenden Besuch bei der Fee Trixie und von ihrem Vorhaben, das Wasser dem Brunnen zurückzugeben. Alex erzählte auch von ihrem Hineinschleichen in das Schloss und von Esmiras Schlafzimmer und wie sie das Fläschchen von Esmiras Hals genommen hatte.
Die Zeit verging wie im Fluge und der Stein schien sich wirklich für die Geschichte zu interessieren. Mit jedem Satz, den Alex ihm erzählte, kam sie dem magischen Brunnen näher. Da, zwischen den Wäldern sah Alex endlich den Brunnen und um ihn herum standen die versteinerten Wächterinnen. Aber kurz bevor Alex das Wasser in den magischen Brunnen gießen konnte, schlug direkt zwischen Alex und dem magischen Brunnen ein Blitz ein und Esmira tauchte aus der Staubwolke auf. Alex fuhr erschrocken zurück und griff nach ihrem Poncho. Sie warf ihn sich schnurstracks über. Doch Esmira lacht nur. „Hach, willst du mich mit deinen kleinen Spielereien etwa zum Narren halten?“, höhnte sie. Mit einer kleinen Handbewegung ließ Emira einen Windstoß aufkommen und der Poncho flog davon. Alex stand ungeschützt vor ihr. Der Stein in ihrer Hand flüsterte; „Wirf mich, so doll du kannst.“ Da holte Alex aus und schleuderte den Stein, so kraftvoll sie nur konnte, in Richtung von Esmira. Doch der Stein verfehlte Esmira um Haaresbreite. Wieder lachte Esmira höhnisch: „Mit so kleinen Tricks kannst du mich nicht aufhalten. Solltest du wieder etwas nach mir werfen, dann versuch wenigstens, mich auch zu treffen, du lächerlicher kleiner Wurm!“ Doch genau in diesem Moment knallte ein kleiner mauliger Stein direkt an den Hinterkopf der bösen Zauberin Esmira und traf sie mit solch einer Wucht, dass diese zu Boden ging und leblos am Boden liegen blieb.
Das Einzige, was noch zu hören war, war ein Grummeln. Als Alex den Stein aufhob, hörte sie sofort die anklagenden Worte: „Du hättest mich ruhig etwas sanfter werfen können. Nun werde ich wochenlang noch Kopfschmerzen von dieser schrecklichen Person haben.“ „Wer hätte auch gedacht, dass die Zauberin so einen Dickschädel hat, dass sogar ein Stein Kopfschmerzen davon bekommt“, entgegnete Alex belustigt und zugleich erleichtert zum Stein.
Sie ging rasch zum Brunnen und goss das Wasser direkt in die Mitte. Die Quelle des Lebens reagierte sofort und schon plätscherte das Wasser freudig herum. Die Wächterinnen erwachten zum Leben und mit ihnen schien der gesamte Feenwald wieder zu erstrahlen. Die Zauberin jedoch verwandelte sich augenblicklich in eine Wiese voller wunderschöner Blumen. Auch die Wesen im Schloss erwachten aus ihrer Starre, reckten und streckten sich und fielen sich herzlich um den Hals, denn auch sie wussten, dass sie von der bösen Zauberin befreit waren. Die Wächterinnen bedankten sich herzlich bei Alex und sprachen im Chor: „Wir sind dir zu Dank verpflichtet. Wie können wir uns bei dir erkenntlich zeigen und uns revanchieren?“
Alex erzählte nun auch von dem Portal. Und dass sie gern wieder nach Hause in ihre Welt möchte. Die Wächterinnen berieten sich und fanden eine Lösung: „Liebe Alex, wir wollen heute noch ins Schloss zurückkehren. Dort findet ein großes Fest statt und nach dem Fest bringen wir dich wieder nach Hause.“ Alle feierten lange und ausgelassen im Schloss. Auch Trixie erschien und so konnte sich Alex noch verabschieden. Um Mitternacht versammelten sich die sieben Wächterinnen im Schlosshof und bildeten einen Reigen um Alex. Die Wächterinnen sangen ein wunderschönes Lied und Alex begann zu schweben. Bevor sie sich versah, war sie wieder im Park von Sanssouci und stand vor den Bildern. Sie sah genauer hin und erkannte Trixie und die Wächterinnen und die Quelle des Lebens und das Schloss und all seine Bewohner. Da kam auch schon ihre Freundin um die Ecke und Alex erzählte ihr von ihren Erlebnissen.
Am Abend, als sie wieder in ihrem Zimmer war, griff sie in ihre Tasche und fand - einen Stein mit einem lächelnden Gesicht, der ihr zuzuzwinkern schien. Plötzlich sagte er: „Ich freue mich, dich kennengelernt zu haben und bin gespannt, was wir noch für weitere Abenteuer erleben werden.“ Alex legte sich zufrieden in ihr Bett. Den Stein legte sie neben ihr Kopfkissen und sie schlief rasch und zufrieden ein. Auch der Stein schlief grummelnd ein.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann grummelt er noch heute.
 

Sonderpreis für eine steinstarke Geschichte

Aurelia Stegemeier, Kl. 5b
Meusebach-Grundschule Geltow

Preis-Pate: Fielmann AG, Regionalleiterin Kerstin Neitzel
 

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Der Kartoffelpufferfluch

Es war einmal ein alter weiser Zauberer, der in einer Hütte mitten im Wald lebte. Sein Name war Excalibur und sein liebstes Hobby war es, unter Sternenlicht in seinem Garten Fußball zu spielen.
Eines Abends stellte er jedoch plötzlich fest, dass das Sternenlicht dunkler war als sonst und irgendwann kaum noch Sterne am Himmel erkennbar waren. Das konnte so nicht weitergehen und Excalibur beschloss, der Ursache auf den Grund zu gehen. Er packte seinen Zauberstab, seinen Kessel und Streichhölzer in seine Tasche und machte sich auf den Weg.
An der ersten Weggabelung traf er einen Regenwurm, der traurig auf einem Stein saß. „Warum bist du so traurig?“, fragte Excalibur. Der Regenwurm antwortete: „Ich bin traurig, weil es immer dunkler wird und ich ohne Sternenlicht nicht nach Hause finden kann.“ Da bot Excalibur ihm an, ihn auf der Suche nach der Ursache zu begleiten. „Prima! Ich heiße übrigens Flutschi“, sagte der Regenwurm und beide zogen weiter.
Einige Zeit später stolperte Excalibur plötzlich. „Was war das?“, fragte er überrascht und schaute sich um. Er sah einen großen Maulwurfshügel, aus dem ein Maulwurf herausschaute. „Wer stört mich hier, hicks?“, fragte der Maulwurf. Excalibur und Flutschi erklärten ihm den Grund ihrer Reise. „Ich begleite euch, hicks!“, antwortete der Maulwurf: „Seit es immer dunkler wird, habe ich ständig Schluckauf, hicks.“
So liefen nun Excalibur, Flutschi und Buddel, der Maulwurf, gemeinsam in Richtung Dunkelheit. Irgendwann erreichten sie eine große dunkle Burg mit einem riesigen Burgtor.
„Wie sollen wir hier hineinkommen?“, fragte Buddel. „Ich habe eine Idee“, sagte Flutschi und kroch das Tor hinauf und in das Schlüsselloch hinein. Sie hörten ein lautes Klappern, als auf der anderen Seite der Schlüssel auf den Boden fiel. Langsam kam der Schlüssel zum Vorschein, als Flutschi ihn durch den Spalt schob. Excalibur nahm den Schlüssel und schloss das Tor auf. Nun standen sie in einer großen Eingangshalle mit einer breiten Treppe und vielen weiteren Gängen. Buddel hob die Nase und schnupperte. „Mir nach!“, sagte er und lief los.
Es wurde immer dunkler und rauchiger, als sie endlich in einem Turmzimmer fündig wurden. Sie hörten schon von weitem lautes Schluchzen. Als sie die Tür öffneten, fanden sie eine weinende Fee vor. „Was ist denn hier los? Warum weinst du und warum verdunkelst du die Sterne“, fragte Excalibur. Die Fee antwortete: „Gut, dass ihr hier seid! Vielleicht könnt ihr mir helfen. Ich hatte Hunger auf Kartoffelpuffer und habe einen Kartoffelpuffer-Zauber ausgeübt. Leider habe ich aber vergessen, wie man ihn beenden kann. Nun habe ich viel zu viele Kartoffelpuffer, die ganze Burg und der Wald sind verraucht und die Sterne damit auch verdunkelt.“ Excalibur sagte: „Vielleicht kann ich dir tatsächlich helfen. Ich brauche nur Spucke von einem Regenwurm, ein Haar von einem Maulwurf und einen Kartoffelpuffer. Flutschi und Buddel waren sofort bereit, ihm die notwendigen Zutaten zu geben. Excalibur tat alles in seinen Kessel, rührte tüchtig um und ließ den Trank zwölf Minuten kochen. „Fertig!“, sagte er und goss den fertigen Trank in die verzauberte Pfanne. Es gab einen lauten Knall und die Pfanne hörte auf, Kartoffelpuffer zu braten.
Langsam begann sich nun auch der Rauch aufzulösen. „Super, vielen lieben Dank!“, sagte die Fee und sprang vor Freude durch das Zimmer. Alle vier blickten aus dem Fenster und konnten nun die ersten Sterne wiedersehen. „Wer hat Lust auf eine Runde Fußball im Sternenlicht?“, fragte Excalibur. Alle stimmten zu und wenn sie nicht gestorben sind, spielen sie noch heute.

 

Hauptpreis in der Altersklasse 10-12 Jahre

Felix Kierspel, Klasse 4b
Meusebach-Grundschule Geltow

Preis-Patin: WBG Wohnungsbaugenossenschaft Brandenburg eG

 

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Der Muffinkönig

Vor sehr langer Zeit lebte einmal in der Stadt Brandenburg ein König namens Richard. Er bewohnte das Schloss Brandenburg. Er liebte das Land und die Umgebung, weil es hier so viel Wasser gab, dass man auch von Klein Venedig sprach. Außerdem mochte er die Menschen, denn sie waren immer freundlich zu ihm.
Richard selbst war groß, dicklich und beinahe rund, denn er aß für sein Leben gerne Muffins.
Der König lebte alleine in seinem Schloss mit hunderten Dienern. Er war ein sehr liebevoller und gütiger König. Am allerliebsten trug er einen braun-schwarz karierten Kilt mit einer goldenen Gürtelschnalle, den ihm sein Schneider Nadelflink entworfen hatte. Und dieser Schneider bin ich. Ich kann sagen, dass nicht nur ich, sondern alle, die ihn kannten, begeistert waren von unserem König.
Eines Tages klopfte es markerschütternd an die Schlosspforte. Die Wachen des Königs öffneten die Tür und ein fremder Mann stand davor. Als der König hinzukam, fragte er den Fremden, wer er sei. Dieser antwortete: „Mein Name ist Hibisikus. Ich bin ein Zauberer und habe Großes vor." Da traute König Richard seinen Ohren nicht und brach in schallendes Gelächter aus. Er weigerte sich zu glauben, dass wahrhaftig ein Zauberer vor ihm stand. Hibisikus wurde so wütend und zornig darüber, dass er den König augenblicklich in einen Frosch verwandelte. Da verging Richard das Lachen gewaltig und er musste erkennen, wie mächtig und böse Hibisikus war.
Doch so konnte es nicht weitergehen. Der Zauberer verwandelte den König wieder zurück und verlangte Einlass in dessen Schloss. Denn das Große, was er meinte, war, Alleinherrscher über das Schloss und Land zu werden. Dies ließ er den König jedoch noch nicht wissen. Vor lauter Angst erlaubte König Richard dem Zauberer den Zutritt ins Schloss Brandenburg. Nach dem Einlass verlangte Hibisikus vom König ein Glas seines besten Weines. Richard lief in die Küche, holte eine Flasche Wein und erblickte plötzlich einen Teller mit frisch gebackenen Schokoladenmuffins. Er konnte einfach nicht wiederstehen und stibitzte sich sogleich zwei davon. Hibisikus wartete derweil im Foyer auf den König und begann mit seinem bösen Spiel. Er hatte vor, alle Bediensteten des Königs zu verzaubern und dazu zu bringen, das schöne Schloss zu zerstören. Genau in dem Moment, wo Richard mit dem Weinglas eintraf, sprach der Zauberer dem Hausdiener Hans einen Zerstörungszauber aus. Dieser wollte gerade eine Vase abstauben, doch stattdessen nahm er sie und zerschmetterte sie auf dem Boden. Es klirrte fürchterlich und König Richard erschrak entsetzlich. Dann krachte es auf einmal in der Bibliothek. Da rannte Richard mit seinem vollen Muffinbauch los, so schnell er konnte, um nach dem Rechten zu sehen. Dort angekommen, sah er gerade noch, wie sein Bibliothekar Bibo ein weiteres Bücherregal voller Wucht umstieß. Und so ging es immer weiter. Insgesamt sechs seiner Bediensteten rasteten völlig aus. Der Bäcker zertrümmerte das wertvolle Porzellan, der Bildhauer zerstörte alle Skulpturen im Schlossgarten, der Hofmaler überpinselte die schönsten Gemälde mit Smileys und ich, ich zerschnippelte das wertvollste Gewand meines Königs. Es reichte. König Richard schrie den Zauberer an: „Was ist hier los? Was hast du nur getan?" Hibisikus antwortete: „Dieser Zauber wird noch genau ein Jahr andauern, es sei denn, du überlässt mir sofort dein Schloss!" Mit all seiner Größe und Masse bäumte sich Richard da auf und brüllte Hibisikus ins Gesicht: „Nie und nimmer werde ich das tun. Soll dich doch der Blitz treffen!" Da war selbst der mächtige Zauberer überwältigt von der Stärke des Königs und mit einem lauten „Plopp" disapparierte er.
Nun musste sich Richard etwas überlegen, damit die sechs Diener nicht noch mehr Schaden im Schloss anrichten konnten. Er bat den Gärtner darum, das Wasser aus dem vier Meter tiefen Schlosspool zu lassen. Die sechs Zerstörer sollten so dingfest gemacht werden, bis ihm etwas Besseres einfiel. Plötzlich kam unserem König DIE Idee: Ein Gefängnis. König Richard wollte einen großen Turm aus märkischen Ziegeln bauen lassen. Der Turm sollte auf sechs Etagen je eine Gefängniszelle haben. Für genau ein Jahr kämen so die sechs verzauberten Diener jeder in seine eigene Zelle. Nach dem Jahr wären alle vom Zauber erlöst und Richard würde sie sofort freilassen. Und so kam es. Der Turm wurde in wenigen Tagen gebaut und Richard nannte ihn Steintorturm. Der Spuk im Schloss hörte auf, wir Sechse wurden von den Wachen in den Turm gebracht und der restliche Hofstaat begann das Schloss aufzuräumen. König Richard besuchte uns Diener jeden Tag im Turm und brachte uns, was immer wir auch brauchten. Besonders oft jedoch brachte er uns Muffins. Da sein Bäcker im Turm gefangen war, hatte er selbst das Backen erlernt.
Das Jahr ging schnell vorbei. Wie versprochen kehrten wir alle ins Schloss zurück und gingen, wie zuvor, unserer Arbeit nach. König Richard ließ fünf Gefängniszellen im Turm beseitigen und nur in der untersten Etage blieb eine Zelle zur Erinnerung an diese verrückte Zeit. Es dauerte nicht lange, da konnte der Zauberer Hibisikus von den Wachen des Königs geschnappt werden. Doch wohin mit ihm? Richard erinnerte sich an die eine verbliebene Zelle im Steintorturm. Dorthin sollten die Wachen den hinterlistigen Zauberer bringen.
Jetzt war es endlich an der Zeit, ein großes Fest auszurichten. König Richard wollte den Sieg über Hibisikus und die Rückkehr von uns mit allen Menschen des Landes feiern. Für das Fest wurde königlich aufgetafelt. Es gab die besten Weine, Spanferkel, Weintrauben, Erdbeeren, edelste Schokolade und feinstes Sushi. Der Bäcker buk die leckersten Torten, aber das Backen der Muffins übernahm von nun an — bis heute — unser König selbst. Das Volk rief: „Hurra, lang lebe der Muffinkönig!"
 

Sonderpreis für das schönste Brandenburg-Märchen

Runa Haseloff, 11 Jahre
Brandenburg an der Havel

Preis-Patin: Dr. Dietlind Tiemann

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Der Viereckkopf

Es war einmal ein Viereckkopf. Der konnte gut reparieren. Er reparierte alles, was kaputtging. Plötzlich tauchte ein Dreieckkopf auf, der vor allen immer angeben wollte, dass er besser sei als der Viereckkopf. Irgendwann war der Viereckkopf so böse auf den anderen, dass er es wissen wollte. So sollte es einen Wettkampf geben, wer der beste sei. Jeder sollte einen LKW reparieren und zeigen, wer der Beste ist.
Was der Viereckkopf nicht wusste, dass der Dreieckkopf schummelte. Hinter dem LKW von dem Dreieckkopf versteckten sich zwei Männer, die dem Dreieckkopf immer sagten, was er tun musste. So war er ziemlich schnell bei der Reparatur. Plötzlich blickte Rundkopf, der Schiedsrichter war, hinter den LKW vom Dreieckskopf. Dort saßen die zwei Helfer, hockten hinter dem Auto in einer kleinen Kiste.
Der Schiedsrichter war einen Moment still und beobachtete die Männer hinter dem Auto. Als er anfing zu sprechen, verschwanden die Männer in ihren Kisten, duckten sich und waren plötzlich nur zwei stumme Holzfiguren. Das wunderte den Rundkopf. Der Dreieckskopf wollte nichts gesehen haben. So nahm der Schiedsrichter die Kisten und stellte sie in die Mitte zwischen beide Fahrzeuge. Nach einiger Zeit war der Viereckkopf fertig und der Sieger, und wütend brüllte der Dreieckkopf: „Steht auf!" Die Männer kamen aus den Holzfiguren hervor und marschierten aus der Werkstatt. So konnte der Dreieckkopf rumbrüllen, wie er wollte, er hatte verloren.
 


Sonderpreis für eine klassenstarke Leistung

Murat Albashwat        
aus dem Märchenbuch der Klasse 5a der Grundschule „Gebrüder Grimm“
Brandenburg an der Havel

Preis-Pate: Lions-Club Brandenburg an der Havel

 

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Der Ort der Tausend Seen

An einem Tag, wo die Sonne vor Freude nur so strahlte, wo die Früchte vor Geschmack fast platzten, wurde im Königreich Fertilitatis ein Kind geboren, namens Lux. Er hatte goldene strahlende Haare, himmelsblaue Augen und ein glasklares und herzerwärmendes Lächeln. Am gleichen Tag, nur viel weiter weg - im Königreich Siccitas, wo die Sonne sich hinter den schweren, traurigen, dunklen Wolken versteckte, wo die Bäume trockener als eine Wüste waren - wurde ebenfalls ein Kind geboren, namens Tenebris. Sie hatte nachtschwarze Augen und blutrote Haare. Diese beiden Kinder hatten eine Verbindung, die Verbindung der Sonne und des Mondes.
Die Eltern von Lux hüteten ihr Kind davor, jemals nach Siccitas zu wandern. Es wurden grausame Geschichten über die Siccitas erzählt. Dass, wenn man einem begegnet und er dir mit seinen nachtschwarzen Augen in die Augen guckt, würde dein Herz zu Eis gefrieren. Es wurde auch erzählt, dass sie den Teufel anbeten und ihm Opfer bringen. Zum Glück aber war zwischen Fertilitatis und Siccitas eine Mauer so hoch, dass man das Ende nicht sah. Der Legende nach wurde diese Mauer einst von Magiern errichtet, um die Siccitas einzusperren.
Leider existieren keine Magier mehr. Die Siccitas jagten Magier und haben alle dem Teufel geopfert, um ihre Magie zu essen. Aus diesem Grund greifen die Siccitas die Fertilitatis an, weil die Fertilitatis eine Quelle behüten: der Ort der Tausend Seen. Dies ist der einzige Ort, wo die Magie noch am Leben ist, wo man die Magie wiederherstellen kann und wenn die Siccitas diese Quelle finden und vernichten würden, würde die ganze Welt ins Chaos stürzen. Vögel würden vom Himmel fallen, Bäume würden austrocknen, die Sonne würde erlöschen und die Nacht würde für immer herrschen. Nur einer wusste, wo dieser Ort ist - es war der mächtigste Magier aller Zeiten. Leider wurde er vernichtet und das Wissen über diesen Ort verschwand mit ihm. Es wurde erzählt, dass der Ort der Tausend Seen ein göttlicher Platz ist, wo es unendlich viele Seen gibt. Aber es gibt einen See, wenn man aus diesem einem See trinken würde, würde man unsterblich und allwissend werden.
Drei Tage nach dem 16. Geburtstag von Lux hörte er jeden Abend Stimmen, die ein und das selbe sagten: „Komm‘ her, trau dich, komm her zu mir, der schwarzen Wand mit den Runen Hand in Hand." Diese Stimmen hörte er immer in Dauerschleife, wenn der Mond und die Sonne zusammenstießen. In diesen beiden Ländern gibt es nämlich nicht Tag und Sonne sowie Nacht und Mond, sondern die Sonne und der Mond wanderten gleichzeitig, die Sonne in eine Richtung und der Mond in die andere. Und jeden Tag trafen sie sich in der Mitte und vereinten sich zusammen zu einem Sonnenmond. Eines Abends waren die Stimmen so laut, dass Lux es nicht mehr aushielt. Er packte seine Sachen und schlich leise davon. Es dauerte ganze drei Tage bis zur schwarzen Wand. Als er endlich da war, traute er seinen Augen nicht. Die Wand war so groß, dass er das Ende nicht sah und in jeden einzelnen Stein war eine blutrote Rune eingemeißelt. Es war schon spät und er legte sich schlafen. Plötzlich wurde er aber von Stimmen geweckt. Es waren dieselben Stimmen, die er jeden Abend gehört hat. Er stand auf und traute seinen Augen nicht, es waren Siccitas, um genau zu sein sieben Stück. Alle hatten ein weißes Gewand an mit einer großen Kapuze. Sie standen an der Wand und einer von ihnen hatte etwas in der Hand, was rauchte und sie fingen an zu singen:
Die Sonne und der Mond sich vereint,
dann kommt die Blutmondzeit,
mit dem Pakt, mit dem Teufel,
gibt es nur ein paar Kräuter.
Diese Kräuter uns geleiten,
auf den Weg nach Hause schreiten.
Öffne dich nur für uns,
erweise uns deine Gunst.
Die Runen in der Mauer leuchteten blutrot auf. In diesem Moment verschmolzen die Sonne und der Mond zum Sonnenmond. Die Mauer fing an langsam zu verblassen und sie war verschwunden. Die Siccitas gingen durch und waren fort. Lux traute seinen Augen nicht, was da gerade vor sich ging. Er verspürte den Drang, auch auf die andere Seite zu gelangen. „Kräuter? Was für Kräuter?“, dachte er sich. Leider kam er nicht drauf, welches Kraut die Siccitas verwendet haben. Herba Pythonissam viel ihm ein. Das war eine Hexe, bessergesagt eine verstoßene Hexe. Sie gehörte früher zu den Magiern, aber als sie anfing, sich mit schwarzer Magie und unheiligen Dingen zu beschäftigen, wurde sie verstoßen. Niemand weiß, von welchen Volk sie stammt, man wusste nur, dass sie älter ist als die Völker selber. Also machte Lux sich zur Aufgabe, Pytho (Spitzname der Hexe) zu finden. Er zog einen Kreis aus Salz und Knochenmehl und stellte eine Kerze in die Mitte. Er wollte diese gerade anzünden, als er ein Geräusch hörte. Lux hatte sich umgedreht und er war ohnmächtig geworden.
Die Augen öffneten sich. Sterne und ein Kopfdröhnen. Es roch sehr feucht und staubig. Komische Kombination. Überall alte Bücher, Flaschen, Schränke und in der Mitte ein kochender Kessel. Lux richtete sich mit Schmerzen auf und analysierte die Gegend. Er war anscheinend in einer Höhle. „Wie geht's dir?" Lux erschrak, als er sich umdrehte, sah er eine Frau mit langen blond-roten Haaren. Ein Auge war himmelblau und das andere nachtschwarz. „Hallo? Geht es dir gut?" Lux antwortete: „Ja, danke? Wer bist du und wo bin ich?" Die Frau antwortete mit einer sehr zarten und entspannten Stimme: „Ich bin Herba Pythonissan, die Hexe, aber bitte sag Pytho zu mir. Du bist in der Zeit-Höhle, wo Zeit und Raum keine Rolle spielen. Ich habe dich hierhergebracht, um dir alles zu erklären."
Lux schaute Sie mit verwirrtem Blick an. „Du bist Pytho? Und was willst du von.." Er konnte seinen Satz gar nicht zu Ende bringen, weil Pytho ihm das Wort abschnitt. „Das ist erstmal egal, was du für Fragen hast. Du brauchst die Kräuter, ich weiß. Also das sind sogenannte Teufelchen, ich kann dir ein paar davon geben. Aber es gibt mehr zu erzählen. Du bist der Sohn der Sonne und es gibt die Tochter des Mondes, sie musst du finden. Dein Ururururgroßvater war der größte Magier der Welt, der Sonnenmondzauberer um genau zu sein. Du hast seine Macht geerbt. Nur du weißt, wo die Quelle der Tausend Seen liegt. Tenebris, die Tochter des Mondes, ist sozusagen deine Schwester. Tenebris weiß schon alles, als sie sich auf den Weg gemacht hat, um dich zu finden, scheiterte sie und wurde von ihrem eigenen Volk festgenommen. Euer Ziel ist es, den Ort der Tausend Seen ausfindig zu machen und ihn zu versiegeln. Merke dir die Worte:
Die Welt ist groß,
die Welt ist klein,
schütze den Ort,
als wäre es dein,
hilf uns jetzt sie zu besiegen
und mit dem Leben zu versiegeln.
Die Sonne blendete Lux, als er auf einer Wiese neben der Wand aufwachte. Er war durcheinander, er wusste nicht, wo er anfangen sollte. Als er aufstand, bemerkte er einen Beutel in seiner Tasche. Lux schaute hinein und war fassungslos - „Teufelchen". Alles war also kein Traum, es war echt! Die Kräuter waren giftgrün und hatten viele kleine Stacheln mit Früchten dran. Er sammelte sich kurz und wusste, was zu tun ist. Er wartete, bis es dunkel wurde und stellte sich vor die Wand. Er holte ein Stängel Teufelchen heraus, zündete es an und fing an zu singen.
Die Sonne und der Mond sich vereint,
dann kommt die Blutmondzeit,
mit dem Pakt, mit dem Teufel,
gibt es nur ein paar Kräuter.
Diese Kräuter uns geleiten,
auf den Weg nach Hause schreiten.
Öffne dich nur für uns,
erweise uns deine Gunst.
Die Wand öffnete sich und er schritt durch. Es war staubtrocken und stechend heiß. Es war Tag, „komisch, geradeeben war es noch Nacht.“ Er blickte sich um. Überall vertrocknete Bäume und es lag eine traurige Stimmung in der Luft, als ob etwas Schlimmes passiert war. Er erblickte zwei Schilder, auf denen standen zwei Namen: nach Siccum und einmal nach Miseriae. Er wusste, dass er nach Miseriae musste. Er wusste es, weil früher erzählt wurde, dass in Miseriae der Palast des Schreckens stand. Er machte sich auf den Weg. Je näher er kam, desto dunkler wurden die Wolken. Plötzlich sah er am Horizont eine Burg. Sie war aus Stein, aus schwarzem Stein wie die Mauer. Und aus fast allen Fenstern floss Lava. Lux blickte richtig hin und erkannte, dass die ganze Burg auf einem aktiven Vulkan gebaut war. Das Allerseltsamste aber war, dass er keine Einwohner sah. So war es ein Kinderspiel, in die Burg zu gelangen.
In der Burg war es tausendmal heißer als draußen. Er suchte die Kerker auf, wo er hoffte, auf Tenebris zu stoßen. Er fand eine Treppe, die nach unten führte. Als er hinunterging, kam er an einem Ort an, wo es eiskalt war, so kalt, dass sein Körper fast einfror. Er ging den langen Gang entlang. Rechts und links waren eingefrorene Wesen. Und ganz hinten am Ende des Gangs - da war sie, Tenebris, mit einem dunklen Blick. Lux fühlte sich, als ob er sie schon immer kannte und nahm sie nicht mal ansatzweise als Fremde war. Er nahm eine Fackel und lies das Eis auftauen. Tenebris war ihm wie aus dem Gesicht geschnitten, nur halt weiblicher. Als Tenebris aufgetaut war, fiel sie zu Boden. „Geht's dir gut?", fragte Lux. Sie antwortete nicht. „Ich bin Lux." Sie hob ihren Kopf und schaute Lux tief in die Augen, dann stand sie auf und umarmte ihn. Es war die schönste Umarmung, die Lux jemals gespürt hatte. „Geht es dir gut? Tenebris?" Sie guckte ihn nur fragend an. „Kannst du sprechen?" Tenebris schüttelte den Kopf und rannte los. „Hey, warte doch!" Lux folgte ihr. Sie rannten und rannten. Sie stiegen Stufe für Stufe. Und dann waren sie da! Am höchsten Punkt der Burg. Und auf der anderen Seite der Burg standen Tausende Siccitas. Alle in Rüstung und mit Schwertern bewaffnet. Und ihm wurde alles klar. Darum war niemand in der Stadt und sonst nirgendwo, weil alle sich fertigmachten, Fertilitatis anzugreifen, um den Ort der Tausend Seen zu finden. Sie schrien „eins, zwei, drei - Dunkelheit herbei." Es wurde ruckartig dunkel, so dunkel, als ob es kein Licht mehr gab. Nur die Lava spendete noch leichtes Licht. Die Siccitas marschierten in Richtung Mauer. Angeführt wurden Sie von den sieben weißgekleideten Siccitas. Sie waren wohl die Chefs unter allen. Tenebris schaute Lux an. Sie konnte zwar nicht sprechen, aber Lux wusste genau, was sie sagen wollte. Sie rannten schneller, als sie je gerannt waren. Tenebris kannte eine Abkürzung und sie waren früher an der Wand als die Siccitas. Aber sie waren nicht an derselben Stelle, sondern an einer, wo eine große Eiche stand. Die Eiche war dicker als die Mauer und sie wuchs genau in der Mitte der Mauer. Lux hörte auf zu rennen. Tenebris aber rannte weiter, immer weiter auf den Baum zu und sie war fort. Lux war verblüfft. Er kam näher zum Baum und fasste ihn mit seiner Hand an. Sie tauchte ein, wie in ein Wasserbecken. Als er seinen Mut zusammengenommen hatte und endlich durchging, traute er seinen Augen nicht. Er war an einem ganz anderen Ort. Die Bäume dort waren mit Edelsteinen bestückt, der Boden glitzerte und der Himmel war glasklarblau. Der Ort der Tausend Seen!! Er war sprachlos. Dann sah er ihn, den See aller Seen. Der magische See. Er ging hin, aber auf einmal knallte es. Zehn Bäume wurden pechschwarz. Wieder knallte es, weitere Bäume und der Boden färbten sich schwarz. Sie wurden attackiert von den Siccitas. Je mehr sie den Baum bombardierten, desto mehr ging die innere Magie verloren und sie verschwand im schwarzen Nichts. Tenebris schaute Lux an. Er schaute sie an. Sie nahmen sich an die Hand gingen durch die Wand hindurch und standen vor der Eiche. Auf einmal lächelte Tenebris und sagte: „Ich hab dich lieb." Lux schaute sie an und sagte: „Ich dich auch." Zusammen fingen sie an:
Die Welt ist groß,
die Welt ist klein,
schütze den Ort,
als wäre es dein,
hilf uns jetzt sie zu besiegen
und mit dem Leben zu versiegeln.
Und plötzlich kam ein großes Licht. Die Geschwister schauten sich an. Umarmten sich und beiden kamen die Tränen.
 

Sonderpreis für Lyrik zur Blutmondzeit

Hermann Medun, 16 Jahre
Brandenburg an der Havel

Preis-Pate: Engel & Völkers Brandenburg an der Havel
 

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Die Geschichte von Freitag dem Dreizehnten

eder Mensch heutzutage denkt bei einem Freitag, der am dreizehnten Tag eines Monats liegt, dass Unglück geschehen wird. Du hast dich sicherlich schonmal gefragt, wieso das so ist. Nun, ich will es dir erzählen:
Es war einmal, vor langer Zeit, ein Kaiser. Sein Name war Freitag. Damals trugen viele Menschen diesen Namen. Vor allem Kaiser. Da Freitag bereits der dreizehnte Kaiser mit diesem Namen, wurde er „Freitag der Dreizehnte" genannt. Er war nicht immer sehr geschickt, aber dafür ein herzlicher Anführer. Sein gesamtes Volk liebte ihn. Seine Tollpatschigkeit hatte schon für vieles gesorgt, einmal hatte er den großen Suppentopf auf dem Markt umgestoßen, einmal aus Versehen eine jahrhundertalte Vase fallen lassen, und einmal war er von seinem Pferd in den Matsch gefallen, vor dem ganzen Volk...  Doch er war ein guter Kaiser. Freitag tat alles für seine Untertanen. Um zu erfahren, wie die Lage in seinen Ländereien ist, vollführte er jeden Dienstag eine Sprechstunde. Das gesamte Volk wurde eingeladen. Jeder, der ein Problem hatte, durfte kommen.
Als wieder einmal eine Sprechstunde angesagt war, saß Freitag im Empfangssaal. Doch niemand traf ein. Er wartete und wartete. Er ließ mehrfach prüfen, ob heute auch ja Dienstag war. Mal um Mal wurde bestätigt, dass es sich um einen Dienstag handelte. Nach geschlagenen drei Stunden wurde der Kaiser mehr als nur unruhig. Es waren immer mindestens ein Dutzend Bewohner zu Besuch gewesen. Irgendwas war da faul. Er ging in die Pferdebox, sattelte seine Schimmelstute und ritt auf die Nachmittagssonne zu. Das Schloss von Kaiser Freitag dem Dreizehnten, war nur einige Minuten vom Marktplatz entfernt. Freitag traf ein, auf den ersten Blick wirkte alles wie immer. Die Stände mit köstlichen Krapfen war aufgebaut, der Milchbauer sortierte seine Kannen und der Verkäufer mit den köstlichsten Brombeeren des Kaiserreichs schrie ein Sonderangebot durch die Gegend. Sein Ruf verhallte, als wäre er vom Erdboden verschluckt worden. Erst jetzt bemerkte der Kaiser die traurigen Gesichter der Verkäufer. Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Die Kundschaft fehlte. Es waren nur eine Hand voll Leute außerhalb ihrer Häuser. Diese schienen den Markt jedoch nicht wahrzunehmen. Sie kauften nichts und würdigten die Waren keines Blickes. So schnell wie möglich überquerten sie den Platz, um das Weite zu suchen. Ein kleines Mädchen eiste sich von ihrem Vater los und rannte Freitag, dem Dreizehnten, entgegen. „Seid gegrüßt, Herr Kaiser", begann sie zögerlich. Ihre tiefblauen Augen huschten über den Horizont, als erwarte sie jeden Moment einen Drachenangriff. Freitag tat es ihr gleich, konnte aber außer einigen Wolken nichts ausmachen. Was hatte er da gedacht? Wolken? In seinem Land gab es keine Wolken. Na gut, es hatte nie welche gegeben, seit er Kaiser war. Früher, ganz früher war es schon einmal vorgekommen, dass der Himmel bedeckt war. Kurz darauf hatten große Unglücke und sogar die ein oder andere Naturkatastrophe die Bewohner des Kaiserreiches aufgesucht. Das musste er verhindern.
Um sich zu versichern, dass er sich nicht getäuscht hatte, reckte er seinen Kopf aufs Neue empor, Zweifelsfrei. Fünf dicke Wolken wanderten am Himmel entlang. Dann, ganz plötzlich, schob sich eine von ihnen ein Stück vor die Sonne, was grausame Schatten auf den Boden warf. Die Leute, die es sahen, verfielen in Panik. Frauen kreischten, Kinder weinten, Männer bauten sich schützend vor ihren Familien auf. Andere wiederum packten sofort ihre sieben Sachen zusammen und nahmen Reißaus. Freitag war sich nicht sicher, was er tun sollte, was er überhaupt tun konnte. Wie könnte er die Wolkenfront aufhalten? Menschen von anderen Kontinenten hätten sich sicher darüber gefreut, Wolken zu sehen. Sie hätten sich gefreut, die Sonne bedeckt zu wissen, dass ihre Pflanzen nicht verglühten. Vermutlich hätten sie sogar auf Regen gewartet. Freitag graute es. Sollte hier auch nur ein Tröpfchen fallen, würde sein gesamtes Volk für immer verschwinden. Nein, auf dem Kontinent Ning-Bing-Ding-Pling - der Kontinent, auf dem er und seine Untertanen lebten, zusammen mit den Bewohnern im Reich von Kaiser Alfred Zickenpo, dem Land der Mandolina von Glockennase und Florentin Meckerheinrich's Volk - hatte man gelernt, ohne Wolken klarzukommen. Seit sich die Menschen erinnern konnten, bekamen sie ihr Wasser von den Elfen. Durch eine Tür konnte man in ihr Reich und wenn ganz lieb fragte, erhielt man es. Vor der Sonne wurden die Pflanzen mit durchlöcherten Planen geschützt. So kamen nur ein Teil der Strahlen zu dem Gewächs und es konnte nicht von der Sonne ausgetrocknet werden.
Als Freitag nun wieder zu Hause war, lies er sich sein Drehscheibentelefon bringen und erstellte ein Verbindung zu Alfred, Mandolina und Florentin. Alle bestätigten ihm, dass bei ihnen ebenfalls Wolken gesichtet wurden. Lediglich auf den Herzchen-Inseln sollte der Himmel noch klar sein. Aber dort würden sich, laut Mandolinas Erzählungen, nun unzählige Ning-Bing-Ding-Pling-Bewohner befinden, um Schutz zu suchen. Alfred hatte wohl auch einen Anruf von Heinrich dem Allerkleinsten, einem der sieben Kaiser des Kontinents Rumm-Pumm-Bumm-Summ erhalten. Ganz aufgeregt hatte dieser berichtet, dass auf ihrem Kontinent fünf Wolken fehlen würden, was eine Katastrophe sei. Kurzum, die ganze Welt litt unter dem Wolkenproblem. Keine guten Aussichten. Kaiser Freitag der Dreizehnte war sich sicher. Übermorgen schon würde er losreisen, um sie alle zu retten. Zunächst einmal würde er den allwissenden Riesen Miesepeter aufsuchen. Das weitere Vorgehen sollte dann von dessen Rat abhängen. Aufgeregt putzte sich Freitag die Zähne und viel müde vom ereignisreichen Tag ins Bett. Kurz darauf begann er laut zu schnarchen.
Als es endlich losgehen sollte, nahm Freitag seinen Seesack und Gepäck und machte sich auf den Weg. Eigentlich wollte er alleine los, aber vor dem Schloss wartete das Mädchen, dass ihm die Wolken zum ersten Mal gezeigt hatte, auf ihn. „Kaiser Freitag der Dreizehnte, nehmt mich mit! Ich werde euch ein treuer Helfer sein", sagte sie. Der Kaiser wollte zuerst nicht, da es viel zu gefährlich wäre, aber das Mädchen schaffte es schließlich, ihn zu überreden. Auf einem Shetlandpony ritt das Mädchen, welches sich als Lea vorgestellt hatte, neben ihm her. Nach kurzer Zeit waren sie am Fuße des größten Berges angekommen. Vor ihnen lag eine riesige Höhle. Miesepeters Heimat. Sie traten ein und riefen nach dem Riesen aus. Sofort erklang ein lautes Grummeln. Schritte verkündeten den Ratgeber. Freitag hatte ihn sich vorgestellt. Es stellte sich heraus, dass Riese Miesepeter nicht, wie Name und erster Eindruck vermuten lassen, von Grund auf genervt ist, er ist einfach nur viel beschäftigt und hat nie viel Zeit. Auch heute war er auf dem Sprung. Ein Riesenkongress stand an. Freitag schilderte ihm die Situation genau, woraufhin der Riese nur ausrief: „Ich habe euch die Wolken nicht geschickt. Redet nicht mit mir, sondern mit dem Verursacher." Wolken sind Bestandteil des Wetters. Wetterhexe, das war es. Lea und der Kaiser bedankten sich eilig, stiegen wieder auf die Pferde und führten ihre Reise fort. Sie würden die Wetterhexe aufsuchen. Das würde es sein, was der Riese gemeint hatte. Zumindest war das die Vermutung. Wozu gab es allwissend Riesen, wenn auch die nur in Rätseln sprachen? Das Leben könnte so einfach sein...
Am späten Nachmittag erreichten Freitag der Dreizehnte und die kleine Lea den Finsterwald. Hier wohnte die Wetterhexe. Zu ihr zu kommen, gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht. Als erstes verschränkten die Bäume ihre Zweige. Für die zwei Abenteurer war es unmöglich hindurch zu kommen. Nach kurzem Nachdenken fiel dem Kaiser jedoch ein, bereits in einem Buch über kitzlige Bäume gelesen zu haben. Also streckte er seine Finger nach den Stämmen aus und begann zu kitzeln. Vor Lachen krümmten sich die Pflanzen und wichen bei Seite. Erstaunt klatschte Lea mit Freitag ab. Hinter Hindernis Nummer eins erstreckte sich ein langer Pfad aus gelbem Sand. An den Seiten wuchsen die schönsten Rosen, die sie je gesehen hatten. Freitag wollte eine pflücken, um sie später, wenn er wieder zu Hause war, abzuzeichnen. Er malte leidenschaftlich gerne. Als er sich nach ihnen bückte, fuhr eine Ranke aus dem Boden und schlängelt sich um seinen Fuß. Geistesgegenwärtig packte Lea den Arm ihres Freundes und hielt ihn fest. So sehr die Ranke sich bemühte, den Kaiser in die Tiefe zu ziehen, sie blieb unter dem starken Griff des kleinen Mädchens erfolglos. Einige Minuten später verschwand das Ungetüm wieder im Boden. Kaiser und Mädchen gingen schnell weiter, bevor die Ranke doch noch einen Angriff starten konnte. Der Sandweg wand sich und wollte partout nicht aufhören. Der Himmel verdunkelte sich mit der Zeit und die zwei Abenteurer wurden schon müde, als sie am Horizont komische Schatten ausmachen konnten. Waren dies vielleicht böse Tiere? Bären oder Wölfe, die hungrig auf sie warteten? Ängstlich klammerte sich Lea an die Hand Freitags. Dieser wiederum griff nach seinem Seesack, um eine Taschenlampe herauszuziehen. Er leuchtete ihnen den Weg. Mit einem erleichterten Aufatmen registrierten die beiden, dass es sich nicht um wilde Tiere, sondern das Haus der Hexe handelte. Als sie an der Tür angekommen waren, klopfte Freitag zögerlich. Keine Antwort. Er klopft noch einmal, daraufhin hörte man knarzende Dielen. Die Hexe öffnete, Lea schauderte es. Was sie da sah, wirkte, als wäre es geradezu aus einem Märchenbuch entsprungen. Ein kleine, verschrumpelte Frau mit zotteligem schwarzen Haar und Tausenden von Warzen im grünlichen Gesicht stand bucklig vor ihnen. „Wer stört mich da? Ich hatte lange keinen Besuch, normalerweise schafft es niemand durch die Absperrungen. Glückwunsch hahaha. Ich wollte gerade Hasenkot mit dem Wiedergekäuten einer Kuh zu einem Eichhörnchenschwanz-Krötenaugen-Hühnerbeine-Gemisch hinzugeben, um eine Mixtur für schönes Gewitter herzustellen. Was wollt ihr hier?", krächzte die Alte. Lea sah ihr direkt in die schwarzen Augen, als sie stotterte „Wir. Wir k…k…kommen vom Kontinent Ning-Bing-DingPling. Das hier… ist der... Kaiser und mein... Name ist... Lea. Wir wollten... Sie bitten, die Wolken über... unserem Land zu...zu vertreiben." Die Wetterhexe gab ein gruseliges Lachen von sich und schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, meine lieben, dafür ist meine Schwester verantwortlich. Wie ihr wissen solltet, sind das keine gewöhnlichen Wolken, sondern das Erzeugnis schwarzer Magie. Kommt rein, ich werde Hildegard rufen, dann könnt ihr sie fragen." Zögerlich taten sie, wie geheißen. Das Innere der Hütte war modern ausgestattet, wenn man vom alten Kamin absah. Auf einer plüschigen rosa Fell-Couch ließen sie sich nieder. Nach fünf Minuten des Schweigens war ein Klopfen zu vernehmen. Ohne auf eine Antwort zu warten, stürmte eine Frau hinein, die noch hässlicher war als die andere. Als sie den Besuch bemerkte, lachte sie höhnisch. „Hallo Herr Kaiser, ich kann mir schon denken, warum Du hier bist. Aber ich sage Dir: Ich werde die Wolken nicht entfernen, immerhin bin ich eine böse Hexe. Ich finde es lustig zuzusehen, wie die Welt wegen mir im Chaos versinkt. Also, ich geh dann mal wieder", sagte sie und wandte sich ab. Lea schnellte ihr hinterher, um sie festzuhalten. „Warte", meinte sie, „lassen Sie uns doch verhandeln. Sie bekommen etwas dafür. Was wollen Sie mehr als alles andere haben?" Die böse Zauberin überlegte kurz. Dann äußerte sie ihren Wunsch: „Ich will die Welt besitzen." Der Kaiser lachte auf. „Das geht leider nicht, meine Dame. Nicht mal ich bin so mächtig. Vergessen Sie es." Die Gesichtszüge der Bösen wurden unfreundlich. Sie kochte vor Wut, doch bevor sie etwas sagen konnte, begann Lea zu plappern: „Was wäre mit der Hälfte des Reiches von Kaiser Freitag dem Dreizehnten?" Während die böse Hexe ihre Entscheidung abwog, freute sich ihre Schwester unheimlich. „Juchu!!! Wenn sie Kaiserin wird, werde ich in Zukunft viel mehr Unwetter zu Brauen haben. Das macht viel mehr Spaß als langweilige Sonne!", rief sie. Freitag graute es schon beim Gedanken daran. Er musste unbedingt etwas tun, aber was? Um das weitere Handeln mit Lea abzusprechen, ging er zu ihr. Auf dem Weg dahin, stolperte er, tollpatschig wie er eben schon immer war, und blieb an einem Regal hängen. Eine Ampulle schleuderte heraus, direkt auf den Kopf der Hexe. Im Vorbeifliegen hatte Freitag die Aufschrift lesen können: Fliegenpilzsaft, lässt jeden, der damit in Berührung kommt, knochenlos werden. Wie es auf dem Etikett beschrieben war, war auf einmal jeder Knochen aus dem Körper der bösen Hexe verschwunden. Wie Wackelpudding saß sie nun auf dem Boden. Entsetzt kam ihre Schwester angerannt. „Oh nein, was habt ihr getan? Dies war ein Erbstück unserer Mutter, sie war ebenfalls eine böse Hexe. Wie kann man das wieder rückgängig machen? Geht es dir gut Hildegard Froschwarze, meine böse Schwester?" Doch Hildegard Froschwarze, die böse Hexe, konnte ohne Kiefer nicht reden. Und da ihre Schwester keine gute Fee, sondern eine Wetterhexe war, und gute Feen keinen bösen Hexen halfen., musste die böse Hexe bis an ihr Lebensende ohne Knochen bleiben. Die Wetterhexe flog mit ihr auf eine einsame Insel, um sie zu pflegen und Lea wurde ihre Nachfolgerin. Lea entwickelte einen Trank, um die Wolken wieder ganz normal zu machen und schickte sie mit Hilfe eines Wind-Trankes zurück nach Rumm-Pumm-Bumm-Summ. Kaiser Freitag der Dreizehnte kehrte zurück in sein Reich. Dort wurde er als Held gefeiert und bekam sogar einen eigenen Tag. Aber ein Tag ist für einen Volkshelden und Weltretter nicht genug Ehrung. Ganz nach seinem Namen sollte jeder Freitag, der am dreizehnten Tag eines Monats liegt, sein Tag sein. Über die Jahre hinweg vergaßen die Menschen die komplette Geschichte, in den Köpfen der Leute blieb nur, dass sich alles durch ein Unglück ereignet hatte.
Also, wenn du einmal an einem Freitag, den Dreizehnten, einen Test schreibst, habe keine Angst vor schlechten Noten am Unglückstag, sondern besinne dich darauf, dass er dafür steht, dass die ganze Welt vor dem Untergang bewahrt wurde. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sitzt die Wetterhexe jetzt noch mit ihrem Wackelpudding von Schwester auf einer verlassenen Insel und kümmert sich um sie, während Lea für Sonnenschein sorgt und Freitag sich um Zufriedenheit seiner Bürger bemüht.
 


Hauptpreis in der Altersklasse 13-16 Jahre

Lilly Sophie Altenkirch, 13 Jahre
Wusterwitz

Preis-Pate: EVIRA Hausprojekt GmbH
 

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Die Maske und die Einsamkeit

Es war das Jahr 2021. Ein alter Mann namens Erwin wohnte in der Stadt Brandenburg an der Havel, in der Nähe des Bahnhofes. In letzter Zeit fiel ihm auf, dass es einsamer um ihn geworden war. Ein paar Freunde von ihm sind aufgrund der COVID-19-Erkrankung verstorben. Auch seine Familie nahm aus Rücksicht Abstand zu ihm. Besonders vermisste er seinen Enkel.
In der Straße, in der Erwin wohnte, lag viel Müll. Vor allem Zigarettenkippen lagen überall verstreut auf dem Boden herum. Ein großer Teil der rauchenden Pendler zündete seine Zigaretten am Bahnhof an und ging zu den geparkten Autos in seiner Straße. Dann warfen sie die Kippen achtlos auf den Gehweg oder auf die Grünflächen. Auch die Einwegmasken wurden einfach weggeworfen. Das fand Erwin besonders eklig, wenn eine potentielle corona-verseuchte Maske auf dem Gehweg lag. Aufgrund seiner Langeweile schnappte er sich drei Tüten und eine alte Grillzange. Er machte sich auf und fing an, den Müll aufzusammeln, der in seiner Gegend herumlag. Er sortierte nach Restmüll und Plastikmüll. Auf einer kleinen Freifläche mit alten abgestorbenen Disteln und Brennnesseln sah er etwas kleines Helles hervorscheinen. Er versuchte, einen der kleinen Fäden zu greifen. Doch die schienen verbuddelt zu sein. Er stocherte mit der Zange etwas herum und es kam eine alte Maske zum Vorschein. Der Stoff der Maske sah aus, wie von alten Stoffwindeln aus DDR-Zeiten, die er noch von seinen Kindern kannte. Diese erinnerte ihn an die Charité-Dokumentation, die er sich erst vor kurzem angeschaut hatte. Die Maske steckte er in seine Extratüte, weil sie Erinnerungen in ihm hervorrief. Er machte sich weiter an die Arbeit. Nicht unweit von der Stelle, wo er die Maske gefunden hatte, hörte er plötzlich ein Kreischen und es flog ein Vogel über ihn hinweg. Dabei ließ er etwas fallen. Erwin dachte, dass der Vogel ein Stück Alupapier fallen ließ, doch das metallische Ding war irgendwie runder. Er schaute genauer hin und bemerkte, dass es ein Ring war. Er hatte schon einiges gefunden, wie Pfandflaschen oder Cent-Stücke, aber einen Ring hatte er noch nie gefunden. Er besah ihn sich näher und erkannte eine Punze und einen besonderen Stein. Der Vogel krächzte und sprach zu Erwin: ,,Nimm diesen Ring. Er ist verzaubert. Er kann alte Dinge zum Sprechen bringen. Du kannst so ihre Geschichte erfahren." Erwin setzte sich auf seine Lieblingsbank und probierte den Ring an seinen Finger. Als er sich den Stein näher anschauen wollte, begann dieser aufzuleuchten. Er dachte sogleich an die alte Maske, die er gerade eingesammelt hatte. Erwin sah in die Extratüte und erschrak. Die Maske hatte sich auf einmal bewegt und es sah so aus, als wenn sie ein Gesicht hätte. Auch ihre Farbe hatte sich verändert. Sie war nun dunkelblau. Aber das war nicht das einzige, sie sah auch viel schöner aus. Die Maske lächelte und sprach ihn freundlich an: ,,Der Ring hat mich verzaubert. Nun kann ich sprechen." Erwin fragte sie: „Woher kommst du?" Die Maske antwortete: „Ich stamme schon aus der Zeit der Spanischen Grippe. So wie in der Berliner Charité gab es auch hier bei uns im Klinikum eine Extrastation für Patienten mit Grippesymptomen." Erwin wollte wissen, wie sie jetzt, fast 100 Jahre später, hierherkam. Die Maske fing an zu erzählen: „Es war das Jahr 1919. Eine Frau namens Erna half als Krankenschwester in dem Brandenburger Klinikum zu Zeiten der Grippe aus. Es gab viele Tote in dieser Zeit. Erna benötigte dringend Geld für ihre Familie. Sie lebte mit ihren drei Kindern in einer kleinen Wohnung in Brandenburg. Ihr Mann war leider an der Grippe verstorben. Eines Tages stand Heiligabend vor der Tür und Erna wusste nicht, was sie den Kindern schenken sollte. Leider hatte sie noch nicht genügend Geld verdient. Ihre Arbeitskollegin, die sie immer von ihrer langen Schicht ablöste und mehr Geld verdiente, schenkte ihr drei Masken und eine tote Ente. ‚Das würde ihren Kindern gut tun‘, sagte sie. Ein Spielzeug konnte Erna ihren Kindern leider nicht zu Weihnachten kaufen. Ich war eine der drei Masken. Wir waren das Geschenk zu Heiligabend, ein denkbar tolles Geschenk. Die Kinder freuten sich zum Glück trotzdem, nicht wegen der Masken, sondern weil die Mutter die Ente briet, normalerweise hätte es nur Haferbrei gegeben. Der älteste Sohn von Erna, der etwa 15 Jahre war und eine schlaksige Gestalt hatte, war fast immer ziemlich unhöflich zu anderen Menschen gewesen. Er fand mich als Geschenk nicht toll. In der Zeit, in der er mich trug, wurde ich nur ein einziges Mal gewaschen. Natürlich sah ich dadurch sehr dreckig aus. Irgendwann jedoch war es ihm zu peinlich, mit so einer Maske wie mir herumzulaufen. Er bekam unter mir schlecht Luft und aus Wut, dass er kein richtiges Geschenk bekommen hatte, schmiss er mich einfach auf den Fußgängerweg."
Erwin kannte irgendwoher diese Reaktionen. Auch heute gibt es Menschen, die keine Masken tragen wollen und die Gefahr der Pandemie nicht sehen wollen. Die Maske erzählte weiter: „Der Junge lief nun schnell nach Hause, er wollte noch pünktlich zum Abendessen kommen. Ich lag nun ganz alleine auf der Straße."
„Es ist Weihnachten und ich will nur aus dieser Situation hier raus,
nimmt mich denn niemand mit zu sich nach Haus.
Da im Wind ächzt eine Latte,
ist das nicht der Kopf von einer Ratte?
Sie ist zu mir ein wenig rau,
sie schleppt mich mit in ihren Bau.
In ihrem Bett da fehlt die Decke
und ich sehe eine dicke Zecke.
Am Ende des Tunnels sehe ich ein paar Schatten,
sind das etwa noch mehr Ratten?
Und ich sehe die grauen Höhlenwände, und hier ist das GeschichtenENDE."
„Nein, das war nicht das Ende", berichtete die Maske weiter. „Kurz darauf gab es Bauarbeiten an den Fußwegen. Die Platten hatten sich durch die Gänge der Ratten gelockert und der Fußweg musste ausgebessert werden. Durch Grabungsarbeiten kam ich wieder ans Tageslicht. Eine Windböe riss mich mit und ich sah die Stadt von oben. Ich kann dir sagen - ein atemberaubender Ausblick. Der Wind schwächte sich aber bald wieder ab und ich verfing mich sanft in einem Dornenbusch. Eine junge Frau hatte das Schauspiel beobachtet und holte mich aus dem Busch heraus. Sie wusch und bügelte mich. Ich lag nun sehr lange in einer Schublade und wurde nur ein paarmal herausgeholt. Als die alte Dame letztes Jahr im Dezember 2019 mit über 90 Jahren verstarb, wurde ihre Wohnung nach drei Monaten ausgeräumt. Ihre Angehörigen nahmen kaum Erinnerungsstücke mit und so kam auch ich wieder auf die Straße. Es dauerte nicht lange und es erfasste mich wieder der Wind und wirbelte mich auf die Stelle, auf der du mich nun gefunden hast."
Erwin erinnerte sich an die alte Frau, sie war auch ohne Corona ganz allein gewesen. Sie hatte immer aus dem Fenster geschaut und freundlich gegrüßt.
Nun war die Maske fertig mit ihren Erzählungen. Plötzlich hörte Erwin erneut das Krächzen des Vogels. „So nun, weißt du etwas über diese alte Maske. Das ist das Geheimnis dieses Ringes. Nun kannst du ihn mir gerne wiedergeben." Erwin warf den Zauberring in die Luft und der Vogel schnappte sich den Ring. Er bedankte sich beim Vogel für den Ring.
Erwin beschloss, die historische Maske dem hausinternen Museum des Klinikums zu übergeben. Diese ist heute noch in den Ausstellungsräumen zu sehen und ihr könnt sie dort bewundern.
 

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Jakob Lorek, 13 Jahre
Brandenburg an der Havel

Preis-Pate: StWB Stadtwerke Brandenburg an der Havel GmbH & Co. KG

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